Hannover - Um die Qualität unseres Grund- und Oberflächenwassers zu verbessern, müssen sich Landwirte in ausgewiesenen Gebieten künftig an deutlich strengere Düngeauflagen halten. Betroffen sind Regionen mit besonders starker Nitrat- und Phosphatbelastung, die sogenannten roten Gebiete. Ziel ist, EU-Vorgaben zu erfüllen und möglichen Strafzahlungen an die EU zu entgehen. Auf die jüngste Vorstellung der ab November geplanten Richtlinien haben Verbände wie die Landwirtschaftskammer und das Landvolk Niedersachsen, der Landfrauenverband Weser-Ems und die niedersächsische Geflügelwirtschaft mit mehr als 100 Eingaben ans Landwirtschaftsministerium reagiert. Hier einige der aufgeworfenen Fragen samt Antworten, die das Landwirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Umweltministerium zusammengetragen hat.

Sind die Messwerte auch wirklich plausibel

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Die 123 Grundwasserkörper wurden bezüglich sämtlicher zu überprüfender Parameter, also auch Pflanzenschutzmittel, Cadmium und weitere bewertet. Die Nitrat-Analyse wurde unter anderem von akkreditierten Prüflaboren vorgenommen, die regelmäßig von externen Fachleuten der Deutschen Akkreditierungsstelle begutachtet werden. 

Warum liegen Flächen in den roten Gebieten, obwohl aus Sicht der Landwirte von keiner Belastung auszugehen ist

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Eine Grundwassermessstelle bildet nicht unbedingt die Einträge in ihrem direkten Umfeld ab, sondern kann aufgrund der Grundwasserströmung ein größeres, weiter entfernt liegendes Einzugsgebiet haben. Bei der Auswahl der Messstellen wurde darauf geachtet, dass die Verteilung die Flächennutzung in Niedersachsen widerspiegelt. Der Einfluss städtischer Messstellen auf das Gesamtergebnis ist also proportional zum Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Niedersachsen.

Gibt es ähnliche Verordnungen auch in den anderen Bundesländern

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Ja, alle Länder haben eine Landesverordnung zum Schutz des Grundwassers vor Einträgen durch Nitrat bereits eingeführt. Niedersachsen wird das letzte Bundesland sein, in dem eine solche Landesverordnung verbindlich wird.

Die niedersächsische Länderverordnung soll nach jetzigem Stand am 18. November ins Kabinett.

Wie ist die Bewertung des Grundwassers mit einer Flächenausdehnung von 60 Prozent der Landesfläche entstanden

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Niedersachsen hat 123 Grundwasserkörper (GWK). Bei der Erarbeitung der Bewertungen, ob ein GWK als gut oder schlecht einzustufen ist, wurden gemäß den Anforderungen der Grundwasserverordnung diejenigen Grundwasserkörper näher betrachtet, die mindestens an einer Messstelle eine Überschreitung des Schwellenwertes für Nitrat von 50 Milligramm pro Liter hatten. Wenn der Prozentanteil der gefährdeten Teilfläche mehr als 33 Prozent der Fläche des gesamten Grundwasserkörper betrug, war entsprechend den Vorgaben der Grundwasserverordnung der komplette Grundwasserkörper als schlecht einzustufen. Im Ergebnis wurden somit 60 Prozent der Landesfläche als „GWK im schlechten chemischen Zustand aufgrund der Nitratbelastung“ an die EU gemeldet.

Was sagen die zuständigen Minister

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Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellt klar: „In den vergangenen zehn Jahren wurde zu lange zu wenig getan, das holt uns jetzt alle ein. Wir sind mitten in einem EU-Vertragsverletzungsverfahren. Wir müssen den Balance-Akt hinkriegen: Das Wirtschaften muss sich für Landwirte lohnen und das Grundwasser geschützt werden.“

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zeigt sich zuversichtlich: „Am Ende werden wir unser gemeinsames Ziel, den Gewässerschutz deutlich zu verbessern, erreichen.“