HANNOVER - Am Montagmorgen sah es nach dem großen Eklat aus. In der Sitzung der CDU-Landtagsfraktion hatte der Abgeordnete Clemens Große Macke aus dem südoldenburgischen Addrup klar gemacht, dass er die neuen Minister nicht mitwählen wird, wenn Aygül Özkan bei ihrer Meinung bleibt. Auch der Abgeordnete Karl-Heinz Bley (Garrel) forderte eine Erklärung von der designierten Sozialministerin.
Özkan hatte mit ihrer Kritik an Kreuzen in öffentlichen Schulen einen Sturm der Entrüstung in der eigenen Partei ausgelöst. In der Fraktion bekam sie den Unmut zu spüren. Viele Abgeordnete hatten Fragen. Die Südoldenburger brachten die Kritik an den Äußerungen der Deutsch-Türkin auf den Punkt. Fraktionschef David McAllister hatte dem Vernehmen nach alle Hände voll zu tun, um eine Eskalation zu vermeiden.
Erst als sich Özkan entschuldigte und die Irritationen bedauerte, lenkten die Kritiker ein. Er sei mit ihren Erklärungen zufrieden, sagte Große Macke nach der Sitzung. Er lud die neue Ministerin zu einem Besuch in Südoldenburg ein. Bei der Rede der 38-Jährigen soll es allerdings nur schwachen Applaus gegeben haben.
Ministerpräsident Christian Wulff hatte Özkan zuvor mit deutlichen Worten wieder auf Kurs gebracht. „Frau Özkan akzeptiert, dass in Niedersachsen in den Schulen Kreuze willkommen und gewünscht sind.“ In diese Kerbe schlug die neue Ministerin dann offenbar auch in der Fraktion. Eine Stunde dauerte die Befragung. „Die über das Wochenende entstandenen Diskussionen und Missverständnisse sind damit ausgeräumt“, erklärte McAllister nach der Sitzung.
Offiziell zumindest, denn hinter den Kulissen gärt es bei der CDU weiter. Von kritischen Anrufen ist da die Rede, von Drohbriefen und Parteiaustritten. Forderungen nach einem Amtsverzicht Özkans wurden nicht laut geäußert.
Die Junge Union begrüßte die Klarstellung, ebenso der Evangelische Arbeitskreis der CDU in Niedersachsen. Die Landtags-SPD warf Wulff vor, sich auf die Seite der „Betonkonservativen“ in der CDU gestellt zu haben. „Politische Rückendeckung“ für Özkan wäre nötig gewesen, kritisierte SPD-Landesvize Olaf Lies (Sande). Die Grünen rügten den „Schleuderkurs“ der CDU in der Kruzifixdebatte.
In der CDU-Fraktion wurde später über die Verwaltungsreform gestritten. Mit harten Bandagen, wie es hieß. Der Unmut schwelt.
