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nordwest-zeitung

Land geht auf Kritik des Landvolks ein Niedersachsen will die „roten Gebiete“ verkleinern

Hannover - Die mit Nitrat belasteten Gebiete werden auch in Niedersachsen so schnell wie möglich neu ausgewiesen. Das hat Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast im Niedersächsischen Landtag angekündigt. „Die Ausweisung soll schnellstmöglich erfolgen“, so die CDU-Politikerin. „Die Landwirte werden weder von der Gebietskulisse überrascht werden, noch von den Auflagen der Düngung.“

Nitratsaldo gesunken

Die „roten Gebiete“ werden kleiner. Das liegt daran, dass der sogenannte Emissionsansatz verfolgt werden soll. Damit wird auch das Grünland in den zukünftigen nitratsensiblen Gebieten weniger betroffen sein. Grund dafür ist nach Angaben der Ministerin das geringere Risiko, dass die Böden ausgewaschen werden. Die Berechnung der Emissionen soll auch den gesunkenen Mineraldüngereinsatz in Niedersachsen berücksichtigen. Der Nitratsaldo sei in den vergangenen Jahren sehr stark gesunken, betonte FDP-Agrarexperte Hermann Grupe in der Landtagsdebatte. „Die Landwirte haben bewiesen, dass sie das Verursacherprinzip ernst nehmen.“

Düngeverordnung

Im Mai ist die neue Düngeverordnung in Kraft getreten. Sie hat zum Ziel, die Nitratbelastung der Umwelt zu verringern. Ein Baustein ist die Allgemeine Verwaltungsverordnung: Sie vereinheitlicht das Verfahren zur Ausweisung belasteter Gebiete durch die Länder – der „roten Gebiete“. Ein Gebiet ist rot, wenn der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser überschritten wird.

Nach Angaben von Umweltminister Olaf Lies (SPD) wird derzeit das Messstellennetz, das nach Ansicht vieler Landwirte keine verlässlichen Daten liefert, überprüft und neu konzipiert. Die Arbeiten sollen Ende November abgeschlossen sein. Das Land werde „erheblich“ in sein Netz investieren müssen, weil auch regionale Kriterien berücksichtigt werden, so Lies weiter.

Kritik am ersten Entwurf

Als im Vorjahr die beiden zuständigen Ministerien den ersten Entwurf der „roten Gebiete“ vorgestellt hatten, war der Aufschrei aus der Landwirtschaft groß: 39 Prozent der Landesfläche waren als belastet eingestuft worden. Das würde das Ende für viele Betriebe bedeuten, hieß es vonseiten des Landvolks. Das Land sagte zu, nachzubessern.

Bauern legen Bilanz offen

Wie es anders geht, zeigt das Beispiel Schleswig-Holstein: Dort seien die „roten Gebiete“ von etwa 50 Prozent auf rund fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche reduziert worden, berichtete FDP-Mann Grupe im Landtag.

Das Landvolk Niedersachsen begrüßte am Donnerstag die Pläne, dass bei den zukünftigen Anforderungen zum Grundwasserschutz auf den Feldern erstmals eine Unterscheidung nach dem Auswaschungsrisiko von Nitrat aus dem Boden in das Grundwasser getroffen wird. Vizepräsident Holger Hennies sagte, endlich werde die Schutzwirkung des Dauergrünlands anerkannt. Zugleich forderte Hennies, dass es jedem Ackerbauern ermöglicht werden müsse, durch Bodenproben oder über Nährstoffbilanzen nachzuweisen, dass von seinem Hof keine Gefahr für zu hohe Nitrateinträge ins Grundwasser ausgehe.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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