Hannover - Das gesellschaftliche Klima ist in den vergangenen Jahren rauer geworden: Hass-Botschaften im Internet, Beleidigungen und Bedrohungen gegen öffentliche Mandatsträger. Vor diesem Hintergrund verschickt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen zurzeit Post an 50.000 Menschen in Hannover. Im Rahmen des neuen Forschungsprojekts „Hass in der Stadt“ wollen die Beamten von den Bürgerinnen und Bürgern der Landeshauptstadt wissen, ob sie auch schon einmal Hasskriminalität erleben mussten – und um welche Form es sich dabei handelte.
Betroffene ansprechen
Das Delikt umfasst laut LKA Straftaten und Handlungen, „die sich gegen Personen aufgrund bestimmter Merkmale richten“. Gemeint sind zum Beispiel die Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung. Hasskriminalität habe in Zeiten sozialer Netzwerke wie Facebook und Instagram zugenommen. Die Polizeistatistik sei im Zusammenhang mit Hasskriminalität „leider wenig belastbar“, sagte LKA-Sprecherin Antje Heilmann unserer Redaktion. Im Verborgenen blieben alle Fälle, bei denen keine Polizisten eingeschaltet wurden. „Wir haben die Hoffnung, mit unserem Projekt ein Bild der Betroffenheit zeichnen und zur Ausschärfung der Erfassung beitragen zu können.“
Dass Hasskriminalität zunehme, lasse sich aber auf jeden Fall aus der kriminalistischen Erfahrung ableiten. Heilmann: „Insbesondere online können im Kontext dort stattfindender Diskurse im Schutze vermeintlicher Anonymität verstärkt vorurteilsgeleitete Taten beobachtet werden.“ Dieses Dunkelfeld will das LKA aufhellen.
„Größte Diversität“
Die Forscher haben nur die Landeshauptstadt für die Studie ausgewählt, da sie bei einer Stadt dieser Größe auch die „größte Diversität in der Bevölkerung“ erwarten könnten. Die Gruppen, die potenziell das größte Risiko einer Opferwerdung durch Hasskriminalität aufweisen, seien plausibel quantitativ in Großstädten häufiger vertreten. Die Umfrage finde nur online-basiert statt, weil der Filter für die Auswertung entsprechend eingerichtet sei. Gebe es die Online-Möglichkeit nicht, bestehe keine Möglichkeit der Teilnahme.
Bis April dauere die sogernannte „Feldphase“, erläuterte die Sprecherin. Nach den Plänen des LKA sollen die Ergebnisse noch in diesem Jahr veröffentlichen werden.
