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NWZonline.de Nachrichten Politik

FDP setzt in Niedersachsen auf den Lindner-Effekt

13.10.2017

Hannover Von guten Umfragewerten beflügelt setzt die FDP in Niedersachsen zum Endspurt im Landtagswahlkampf an. Passend zum neuen, jungen Image der Partei beendet FDP-Chef Christian Lindner den Reigen der großen Veranstaltungen am Donnerstagabend in einer Disco in Hannover. Für die Liberalen hätte der Landtagswahlkampf zu keiner besseren Zeit kommen können, glaubt der Politikprofessor Nils Bandelow von der Technischen Universität Braunschweig. „Es ist ein guter Zeitpunkt für die FDP, sie dürfte am ehesten von der Bundestagswahl profitieren“, sagt er. „Die FDP ist aktuell eine Art Projektionspartei, in die viele Erwartungen und Hoffnungen gesetzt werden.“

Stefan Birkner, dem besonnen-akribischen Spitzenkandidaten und FDP-Landeschef, platzte der vorgezogene Wahlkampf in seine private Pilotenausbildung. Dennoch macht es ihm Spaß, sagt er, weil nun das Jammertal der bei einigen früheren Wahlen heftig abgeschmierten Partei der Vergangenheit angehört. „Es gelingt uns wieder, Interesse zu wecken.“ Auf ihm lastet hoher Druck: 2013 hatte die FDP unerwartet mit 9,9 Prozent der Stimmen ein Ergebnis erzielt, das er halten und ausbauen will. „Unser Ziel ist es, mit einem zweistelligen Ergebnis drittstärkste Kraft zu werden“, hofft der 44-jährige Jurist. Gelingt das, könnte er sich beim Ringen um eine Regierungsmehrheit in den Koalitionsverhandlungen noch als umschwärmter Königsmacher profilieren. Die jüngsten Umfragen sehen hier gute Chancen.

Mit dem Versprechen eines Neustarts in der Landespolitik ging er an den Start - und legte sich deshalb früh fest. „Eine Ampel-Koalition ist ausgeschlossen, weil wir für den politischen Neuanfang stehen.“ Ob die Haltung nach der Wahl flexibel wäre? „Nein“, sagt er bestimmt, „wir treten an, um Rot-Grün zu beenden in Niedersachsen - nicht, um es zu verlängern; für ein „Weiter so“ von Rot-Grün stehen wir nicht zur Verfügung“. Vorgaben aus Berlin spielten keine Rolle, es gehe um die grundlegende politische Ausrichtung. In der Bildungspolitik etwa gebe es konträre Positionen zur SPD, im Agrarbereich zu den Grünen.

Die FDP tritt in Niedersachsen mit einem ehrgeizigen Anspruch an. „Zeigen wir Deutschland, was Niedersachsen kann.“ Auf einem schrill-gelben Untergrund versteckt sich Birkners Porträt im Schriftzug des Slogans „Die NEUE Ernsthaftigkeit“. Auf Fragen von Spöttern, die der Partei im Umkehrschluss bisher mangelnde Ernsthaftigkeit unterstellen, kommen selbstbewusste Antworten.

Nach dem Selbstfindungsprozess der Liberalen sind es nun viele junge Leute, die zu den Wahlkampfveranstaltungen kommen. Die Personalisierung spielte bei der Neupositionierung als moderne, hippe Partei mit digitaler Agenda eine wichtige Rolle, sagt der Politologe Bandelow. FDP-Chef Christian Lindner, aber auch sein Vize Wolfgang Kubicki spielten dabei mit ihrer hohen Strahlkraft eine wesentliche Rolle. Sie verliehen der Partei wieder ein glaubwürdiges Profil.

Als hart in der Sache, aber fair im Umgang beschreiben Niedersachsens FDP-Mitglieder selbst ihren neuen Stil, als weltoffen, freiheitlich und lösungsorientiert - sowie jenseits des linken Mainstreams. Die Partei gilt laut Bandelow zunehmend als Alternative für enttäuschte CDU-Wähler, die das bürgerliche Lager stärken wollen. Das erklärt zum Teil auch die FDP-Ablehnung eines Schulterschlusses mit den Grünen, die aus FDP-Sicht einen „bevormundenden Staat“ propagieren.