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NWZonline.de Nachrichten Politik

Moore: Was kommt nach dem Torfabbau?

25.11.2019

Hannover Die Urbarmachung von Mooren galt jahrhundertelang als Tugend. Heute ist klar, dass durch die Zerstörung von Mooren nicht nur viele Tier- und Pflanzenarten auf der Strecke bleiben, sondern auch große Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Die Wiedervernässung von Mooren und alternative landwirtschaftliche Nutzungsformen sollen den Klimaschutz voranbringen – auch in Niedersachsen.

Moore sind riesige, über Jahrtausende gewachsene Kohlenstoffspeicher. Den Kohlenstoff speichern sie in Form von Torf – das ist abgestorbene Biomasse etwa von Torfmoos oder anderen Moorpflanzen. „Die Treibhausgas-Emissionen von trockengelegten, degradierten Mooren sind hoch“, sagt Lars Kutzbach von der Universität Hamburg. Über 90 Prozent der Moore in Deutschland sind nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz in Nutzung und wurden dazu entwässert.

Für Augustin Berghöfer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig ist die Wiedervernässung ein wirksames und wirtschaftliches Instrument des Klimaschutzes. Es reicht jedoch nicht, pauschal „Wasser marsch“ zu sagen: „Das muss man sich bei jeder Maßnahme einzeln anschauen“, sagt Kutzbach. Er und Berghöfer warnen davor, Moorböden zu überstauen. Denn Fäulnisprozesse könnten dann dafür sorgen, dass die Flächen reichlich Methan abgeben – ein noch schlimmeres Klimagas als CO2. Langfristig entzieht ein naturnahes Moor der Umgebung Kohlendioxid, Stickstoff und andere Elemente und speichert diese im Torf.

Beispiele für erfolgreiches „Nassmachen“ finden sich im niedersächsischen Landkreis Osterholz. Dort wurden im Zuge des Naturschutzgroßprojektes Hammeniederung das Pennigbütteler und Ahrensfelder Moor 2016 vernässt. Der Wasserspiegel sei wie geplant angestiegen, sagt Sprecherin Jana Lindemann. „Die Vegetation beginnt sich auf nassere Verhältnisse einzustellen.“ Birken sterben ab, Torfmoose und Sonnentau breiten sich aus. Biologen sichteten allein 16 Libellenarten. Im Fokus der Wiedervernässung standen bislang Standorte, an denen der Torfabbau beendet ist.

„Man kann nicht aus allen Moorgebieten Naturschutzgebiete machen“, erklärt Berghöfer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. „Wir müssen eine nasse landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen.“ Und dazu bieten sich viele Möglichkeiten – von der Haltung von Wasserbüffeln über den Anbau von Sonnentau als Arzneistoff oder Schilf und Rohrkolben als Baustoff.

Die nasse landwirtschaftliche Nutzung ist für Karin Ullrich vom Bundesamt für Naturschutz „prinzipiell eine ideale Idee, wenn das praktikabel und wirtschaftlich ist und tatsächlich zu den erwarteten Treibhausgasreduktionen führt“. Bislang gebe es aber nur vergleichsweise kleine Versuche, es fehlten langfristige Erfahrungen. Recht weit entwickelt sei der Anbau von Torfmoos als Torfersatz in Sub­straten für den Gartenbau. Um von Nutzungen wie dem Maisanbau abzurücken, brauchen Landwirte finanzielle Anreize und überzeugende Konzepte. Aktuell gehe es darum, entsprechende Anbauverfahren zu erproben und Wertschöpfungsketten zu entwickeln, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

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