Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Niedersachsen will Wassergesetz ändern Nach Strom und Benzin – auch Trinkwasser könnte teurer werden

Hannover - Kommt auf die Verbraucher in Niedersachsen eine weitere Anhebung der Wassergebühr zu? Um auf Extremwetter-Ereignisse besser reagieren zu können, will die rot-schwarze Koalition in Hannover das Wassergesetz erneut novellieren. Bei einer Expertenanhörung im Landtag wurde allerdings bemängelt, dass für Projekte die Finanzierungsgrundlage fehle.

Darum geht es

Grundwasser wird knapp. Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstags, mahnte bei einer Anhörung eine Ordnung nach Nutzergruppen an. Die Konkurrenz zwischen Naturschutz, Industrie, Landwirtschaft und anderen Gruppen nehme zu. Hennies zufolge müsse es erste Priorität sein, die acht Millionen Menschen in Niedersachsen mit Wasser zu versorgen. Ob die Haushalte das Wasser als Trinkwasser, für die Hygiene oder eben auch für den privaten Pool nutzten, sei dann zunächst ihnen selbst überlassen. Das Wassergesetz regelt allerdings neben der Entnahme von Wasser noch weitere Aspekte: vom Schutz der Gewässer, der natürlichen Entwicklung der Flüsse bis hin zum Rückhalt von Wasser.

Hier besteht Konsens

Unstrittig war bei der Anhörung, dass Fließgewässern bei Starkregen und Hochwasser-Ereignissen mehr Raum gegeben werden soll – eine Lehre aus der Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen-Ereignisse nehme zu, die Kanalisationen seien darauf nicht vorbereitet, sagte Matthias Görn, Betriebsleiter der Stadtentwässerung Hannover. Seinen Berechnungen zufolge fallen in seinem Bereich für Ingenieurstellen zusätzlich bis zu 500 000 Euro Personalkosten an. Es sei aber nicht eindeutig geklärt, ob diese Kosten über Gebühren finanziert werden dürfen. 

Woher kommt Geld?

Um Maßnahmen zum Gewässerschutz im Rahmen des „Niedersächsischen Wegs“ zu finanzieren, wurde bereits zu Jahresanfang die Wasserentnahmegebühr um 7,5 Cent auf 15 Cent pro Kubikmeter erhöht. Nach einer Modellrechnung für Hannover müsste die Abwassergebühr um 2 Cent erhöht werden, um beispielsweise Ingenieurleistungen für die notwendige Starkregenvorsorge zu finanzieren. Das sei „gut investiertes Geld“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Gerd Hujahn. Dagegen warf die Grünen-Abgeordnete Imke Byl der Groko vor, kein Finanzierungskonzept vorgelegt zu haben. Auch die Daten, auf deren Grundlage über neue Grundwasserentnahmen entschieden werde, seien veraltet und trügen der Klimakrise keine Rechnung. Ein Beispiel: Eine Tochterfirma von Coca-Cola will im Raum Lüneburg die jährliche Trinkwasserentnahme auf 700 Millionen Liter verdoppeln. Coca-Cola zahlt Lüneburg lediglich einen „Wasserpfennig“ von 0,009 Cent pro Liter. Aus Sicht der Grünen ist das viel zu wenig.

Die Landwirtschaft

In der Landwirtschaft ist es teilweise noch Praxis, festen Wirtschaftsdünger oder Silage auf offenen Flächen zwischenzulagern. Dabei können Nährstoffe ins Grundwasser gespült werden. Die kommunalen Spitzenverbände fordern daher, eine Anzeigepflicht der Bauern für diese sogenannten Feldmieten ins neue Wassergesetz aufzunehmen. Für Kontrollen wären zusätzlich eineinhalb Stellen pro Wasserbehörde erforderlich. Die Kosten müsste das Land übernehmen. Das will die Groko nach Möglichkeit vermeiden.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden