Hannover - Der Gag ist alt, aber nicht auszurotten. Wenn Radio-Moderatoren witzig sein wollen, begrüßen sie zur Mittagszeit ihre Hörer mit einem „Guten Tag“ und fügen dann hinzu: „Und für unsere Studenten – Guten Morgen!“ Vorurteile besitzen ein besonderes Beharrungsvermögen. Das gilt auch für Langzeitstudenten mit hoher zweistelliger Semesterzahl. Umgangssprachlich auch: Bummelstudenten. Mehr als vier Prozent fallen in Niedersachsen in diese Rubrik. Tendenz steigend. Ein alarmierender Trend.
Warum schaffen so viele junge Menschen keinen Abschluss in vorgesehener Zeit? Ihnen mangelnde Intelligenz zu unterstellen, geht an dem Problem vorbei. Vieles hängt zusammen mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudien. Damit einherging eine deutlich Verschulung des Studiums mit wachsendem Druck und Stress. Burnout, Angstpsychosen und Depressionen gehören mittlerweile zu den häufigsten psychischen Erkrankungen unter Studierenden. Daran wird sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern. Denn niemand wird die Zeit zurückdrehen können in Richtung humboldtsches Bildungsideal des Universal-Gelehrten. Zugleich ist nicht hinnehmbar, dass unser Studiensystem in so großem Maß Verlierer produziert.
Mehr denn je brauchen Studenten eine intensive Studien-Betreuung und eine umfassende Berufsberatung. Warum nicht das Handwerk in die Unis holen, um Studenten, die den akademischen Weg nicht schaffen, eine praktische Ausbildung anzubieten? Niemand ist ein geborener Versager. Das richtige Talent zu fördern, darin liegt die Kunst.
