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29.01.2018

Hannover Die Grünen machen sich hübsch für eine Neuauflage des Jamaika-Experiments. Auf den ersten Blick haben sich mit Robert Habeck und Annalena Baerbock „Realos“ durchgesetzt. Doch dass eine Parteilinke wie Anja Piel aus Niedersachsen gescheitert ist, bedeutet aber eben nicht, dass sich die Grünen von fundamentalistischen Positionen verabschiedet hätten.

Habeck behält zunächst einmal sein Ministeramt, und das verschafft ihm gute Möglichkeiten zur Profilierung. Nur was für ein Profil ist das? Wohl keines, das die große Mehrheit der Deutschen mit Freude begrüßen wird. Wohin die Reise geht, ließ der neue Chef auf dem Parteitag durchblicken: „Integration heißt auch, dass die, die hier geboren sind, sich in die Gesellschaft integrieren.“ Was Habeck damit meint ist dies: Die Deutschen haben gefälligst die Ideen der Grünen, insbesondere, wenn es um Einwanderung geht, hinzunehmen – auch wenn sie die „neue Gesellschaft“ nicht wiedererkennen werden. Der Mann stellt damit die Realität auf den Kopf: Denn natürlich haben sich diejenigen anzupassen, die in eine Gesellschaft einwandern und ihre Vorteile genießen wollen. Die Deutschen müssen sich in keine „Gesellschaft integrieren“. Sie sind die Gesellschaft.

Dies und andere Heilsideen der Grünen, etwa in der Energiepolitik, mögen der „globalisierungskritischen Studentin und der Start-up-Frau“ (Baerbock über die Zielgruppen der Grünen) gefallen. Menschen in der wirklichen Welt werden sie jedoch wenig zu sagen haben.

Aber dafür genießen die Grünen ja massiven medialen Flankenschutz. Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel, konnte da am Wochenende auf Twitter ihre Begeisterung für die Grünen gar nicht bezähmen. Ihrem ARD-Kollegen Arnd Henze ging es nicht anders. Da war jegliche kritische Distanz vergessen. Allerdings bewegte sich dieses Groupietum auf apolitisch-postmoderner Ebene. Da war die Rede von „Spaß an Politik“ sowie „Mut und Lust“ auf diese. Mit harter Analyse hat das nichts zu tun – und wird außerhalb gefühliger Großstadtmilieus wie in Berlin-Prenzlauer Berg deswegen auch verdient verpuffen.


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