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NWZonline.de Nachrichten Politik

AfD setzt im Wahlkampf auf General

08.08.2019

Hannover Die AfD in Hannover schickt einen ehemaligen Generalleutnant der Luftwaffe ins Rennen um die Oberbürgermeisterwahl am 27. Oktober. Bei einer Aufstellungsversammlung am Dienstagabend bekam der 64-jährige Joachim Wundrak 46 von 47 Stimmen. Er hatte keinen Gegenkandidaten. Für die Partei ist die Personalie ein Coup. Zwar sitzen laut „Bild“ allein elf Ex-Berufssoldaten für die AfD im Bundestag. Doch Drei-Sterne-General Wundrak ist das bundesweit bisher ranghöchste Parteimitglied. Er wundert sich nicht über die Anziehungskraft der Partei auf die Soldaten. Die AfD unterstütze die Bundeswehr, die jahrelanges Missmanagement habe erdulden müssen.

Bis September 2018 war der Drei-Sterne-General bei der Luftwaffe, wurde mit Zapfenstreich nach 44 Dienstjahren verabschiedet. Da war Wundrak bereits aus der CDU ausgetreten und Mitglied der AfD. Damals habe er das aber noch nicht öffentlich gemacht – aus Rücksicht auf die Dienststelle. Auch habe er kein Mandat angestrebt, betont der am Steinhuder Meer wohnende verheiratete Vater von zwei Kindern und Großvater von fünf Enkelinnen. Doch als vor einem Monat das Angebot kam, habe er sich verpflichtet gefühlt. „Ich muss die Verantwortung übernehmen, dass meine Enkel in einem lebenswerten und sicheren Staat groß werden.“

Für Niedersachsens AfD soll es auch ein Aufbruchzeichen sein. Bisher machte der Landesverband besonders mit internem Streit Schlagzeilen. Bei Wahlen liegen die Niedersachsen weit unterm Bundesschnitt und punkten meist in strukturschwachen Städten.

Dass die überregionalen Medien mal nicht wegen internen Krachs auf die niedersächsische AfD schauen, erfüllt den hannoverschen Bundestagsabgeordneten Jörn König mit Genugtuung. Ihm hätten die „Knie geschlottert“, als er Wundrak gefragt habe, sagt König. Nun habe man eine erfahrene Führungskraft im Angebot, schwärmt er.

Auch Wundrak, der sich als konservativer Verfassungspatriot einordnet, hat große Pläne mit der AfD, die keine „Splitterpartei“ bleiben dürfe. „Wir können uns nicht erlauben, eine Acht- oder Zehn-Prozent-Partei zu bleiben. Wenn wir politisch Erfolg haben wollen, müssen wir Volkspartei mit jenseits von 20 bis 25 Prozent werden“, sagt er. Dazu müsse sich die AfD als „bürgerliche Alternative“ profilieren. Und sie müsse geeint auftreten.

Die Hannoveraner will Wundrak mit Law-and-Order überzeugen: „Die Verwahrlosung Hannovers muss beendet werden“, fordert er. Alle Sicherheitskonzepte müssten auf den Prüfstand. Tatsächlich gilt Hannover trotz rückläufiger Zahlen als besonders kriminalitätsbelastet. Außerdem will Wundrak Schulen und Haushalt sanieren, Wohnungen für Familien mit Kindern bauen und den „Migrationsdruck auf die Stadt mindern“. Zuzüge von Ausländern sollen beschränkt, Nicht-Aufenthaltsberechtigte „beschleunigt zurückgeführt“ werden. Die AfD will zudem die gendergerechte Sprache in der Stadtverwaltung abschaffen und die Straßenumbenennung stoppen.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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