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NWZonline.de Nachrichten Politik

Umwelt: Luftballon-Verbot löst Wirbel aus

13.09.2019

Hannover /Oldenburg /Wilhelmshaven Die Forderung der niedersächsischen Grünen-Chefin Anne Kura nach einem Verzicht auf das Steigenlassen gasgefüllter Luftballons hat eine bundesweite Diskussion ausgelöst. Kura hatte gegenüber unserer Redaktion vor den Folgen für die Natur gewarnt: „Vögel und andere Tiere fressen die weichen Ballonreste und verhungern dann mit vollem Magen“, erklärte sie.

Politiker anderer Parteien reagierten empört auf die Forderung: „Es gibt 99 Wege, Umwelt und Natur zu schützen. Ein Luftballonverbot ist sicher keiner davon“, erklärte die ostfriesische CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann via Twitter. FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sprach auf derselben Plattform von der Grünen-Verbotsforderung „des Tages“.

Kein zentrales Problem?

Auch die Landespolitik reagierte reserviert: „Lasst den Kindern doch ihre Freude“, sagte Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), seine Landespartei sprach von Bevormundung der Menschen, SPD-Umweltsprecher Markus Bosse erklärte, ein Verbot sei eher geeignet, „Kinder traurig zu machen, als die Umwelt zu schützen“. „Ich glaube nicht, dass Luftballons zu den zen­tralen Problemen gehören, derer sich die Politik gerade annehmen muss“, erklärte FDP-Fraktionschef Stefan Birkner.

Die Grünen stellten klar, dass die Forderung lediglich das Steigenlassen gasgefüllter Ballons betreffe: „Von einem generellen Verbot von Luftballons war und ist deshalb nicht die Rede“, betonte Kura in einer Stellungnahme. Vielmehr gehe es um einen nachahmenswerten Verzicht. Anlass der Debatte ist ein Beschluss der Stadt Gütersloh, die bei eigenen Veranstaltungen auf das Steigenlassen von Ballons verzichten will. Gütersloh bezieht sich dabei auf mehrere niederländische Städte, die solche Wettbewerbe ebenfalls untersagt haben. Es gehe nicht um „Luftballons bei Kindergeburtstagen im Wohnzimmer oder bei Hochzeitsfeiern im Saal“, so Kura.

Lebhafte Diskussion auf Facebook

Der Bericht „Gehören Luftballons am Himmel verboten?“ wurde auf der Facebook-Seite von NWZonline zahlreich kommentiert. Hier ein Auszug aus der kontroversen Diskussion:

Gesche Lüder: Gerade in unmittelbarer Nähe des Weltkulturerbes Wattenmeer sollte auf Luftballons verzichtet werden. Bei gutem Wind fliegen die Teile viele Kilometer weit und können Meerestiere töten. (...)

Hartmut Park: So langsam reicht es mit den Verboten. Wir sind alle mündig und sollten selbst entscheiden dürfen was wir und wie wir es machen. Allerdings muss in vielen Köpfen erst ein Umdenken stattfinden. Aber das ist alleine mit Verboten nicht hinzubekommen.

Edmund Kleine Stüve: Jeder von uns hat es in der Hand z.B. Luftballons nicht zu benutzen. Ein Verbot ist nicht sinnvoll, da nicht durchsetz- und kontrollierbar. (...)

Sarah Teckel: Von mir aus. Aber es glaubt doch niemand, dass Luftballons das Problem sind, oder? Während wir dann also mit Blätterdeko Geburtstag feiern, pumpen die großen Firmen ihren Müll weiter in die Ozeane. Top.

Die Berichterstattung unserer Redaktion löste am Donnerstag auch kontroverse Diskussionen in der Region aus. „Luftballons sind überflüssig im Wattenmeer“, sagte Wattenmeer-Nationalparkleiter Peter Südbeck am Donnerstag in Oldenburg. Der stellvertretende Naturschutzdezernent der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven, Gundolf Reichert, hält den Verzicht auf das Steigenlassen gasgefüllter Luftballons für den richtigen Weg: „Grundsätzlich sind die Luftballons Müll, der in der freien Landschaft landet, in Flüssen, im Meer.“ Sie seien nicht besser als Plastiktüten und Umverpackungen, die ein großes Problem darstellten. „Es dauert unglaublich lange, bis die Plastikteile, die wir häufig auch in Uferspülsäumen finden, abgebaut sind. Das Plastik schadet der Umwelt, landet immer wieder in den Mägen von Vögeln und Meeresbewohnern und somit letztendlich auch auf unseren Tellern“, so Reichert. Ob eine Verbesserung des Umweltschutzes jedoch durch ein politisches Verbot der besagten Luftballons erwirkt werden könne, sei schwierig zu sagen. „Grundsätzlich muss das über freiwillige Einsicht erfolgen“, so Reichert. Anstelle der Luftballons sollte man sich Alternativen überlegen.

Debatte schon 2007

Feste und große Veranstaltungen ohne Luftballons? Für Birgit Ens ist das kaum vorstellbar. Seit mehr als 30 Jahren produziert ihre Firma Seckelmann im Gewerbegebiet Jever Luftballons. Sie betont: „Der klassische Luftballon ist kein Plastikmüll.“ Luftballons werden nämlich aus Naturkautschuk – aus Latex – hergestellt. „Das ist ein nachwachsender Rohstoff: Es ist der Saft des Kautschukbaums“, erklärte sie. Zur Verarbeitung zu Luftballons werden keineswegs Mikrokunststoffe beigesetzt. „Luftballons sind biologisch abbaubar – sie brauchen zur Verrottung genau so lang wie ein Eichenblatt. Nämlich ein knappes Jahr.“

Mit Sorge sieht sie indes die Zunahme gasgefüllter Ballons aus Aluminiumfolie. „Und diese Ballons sind tatsächlich ein Umweltproblem“, sagte Ens. Zum einen halten sie Gas sehr lange, zum anderen verrotten sie nicht. „Diese Ballons haben mit dem klassischen Luftballon überhaupt nichts zu tun.“

Die Debatte um die Luftballons ist indes nicht neu: Bereits 2007 hatte der Mellumrat (Naturschutzvereinigung) vor den Gefahren der Plastikreste für die Seevögel auf den Vogelinseln Mellum und Minsener Oog im Wattenmeer gewarnt. Die Vögel verwechseln demnach sowohl das weiche Plastik als auch glitzernde Kunstoffbänder mit Futter und verenden teils mit vollem Magen. 2016 hatte der Verein allein auf der Insel Minsener Oog die Reste von 296 Luftballons gefunden.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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