HANNOVER - Die Rolle des hessischen Verfassungsschutzes in einem Fall der rechtsextremen Mordserie muss nach einem Zeitungsbericht womöglich neu beleuchtet werden. Nach bisheriger offizieller Darstellung hatte ein Verfassungsschützer eine Minute vor dem Mord in Kassel am 6. April 2006 den Tatort, ein Internetcafé, verlassen. Diese Annahme könne nicht mehr aufrechterhalten werden, schreibt die FAZ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Beamte soll sich zum Zeitpunkt des Mordes doch dort aufgehalten haben.
Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund hat womöglich noch mehr Verbrechen begangen als bislang bekannt. Die Bundesanwaltschaft nahm am Montag Ermittlungen wegen eines Anschlags mit einer Nagelbombe 2004 in Köln auf. Bei dem Attentat in einer von Migranten bewohnten Straße waren 22 Menschen teils schwer verletzt worden. Laut Düsseldorfer Innenministerium könnte auch ein Anschlag auf eine 19-jährige Deutsch-Iranerin im Jahr 2001 auf das Konto der Gruppe gehen. Auch der Anschlag auf den früheren Passauer Polizeichef Alois Mannichl wird möglicherweise neu untersucht. Mannichl war an der Haustür niedergestochen und schwer verletzt worden.
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Niedersachsens Verfassungsschutz räumte unterdessen ein, dass er Daten über den des Rechtsterrorismus verdächtigten Holger G. aus Lauenau bei Hannover 2009 gelöscht hat. Der 37-Jährige, gegen den im Zusammenhang mit den Taten ermittelt wird und jetzt Haftbefehl erlassen wurde, sei von 1999 bis 2004 durch rechtsextreme Aktivitäten in Erscheinung getreten, so Verfassungsschutzpräsident Hans-Werner Wargel.
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