Hannover - Um die Unterrichtsversorgung zu verbessern, will Niedersachsen zum neuen Schuljahr 730 zusätzliche Stellen schaffen. 150 davon sollen direkt den Grundschulen zur Verfügung gestellt werden. Ab dem Sommer werden 32 000 Schülerinnen und Schüler zusätzlich an den Schulen erwartet. Das seien doppelt so viele wie beim Umstieg aufs Abitur nach 13 Jahren, so Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Er stellte am Montag in Hannover ein „Lehrkräfte-Gewinnungspaket“ vor. Und darum geht es:
Mehr Stellen
Bislang hatte das Land 1560 Stellen fürs neue Schuljahr ausgeschrieben; 730 kommen nun dazu. Mit den insgesamt knapp 2300 Vollzeitstellen sei man „erst mal vollumfänglich handlungsfähig“, sagte Tonne. Wie viele Stellen aktuell unbesetzt sind, konnte er nicht sagen. Die Lehrerversorgung ist mit zuletzt 97,4 Prozent so schlecht wie seit 20 Jahren nicht. Tonne sagt, seit 2017 seien 3000 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt worden.
Anreize und Prämien
Wenn in der ersten Einstellungsrunde nicht alle Stellen besetzt werden können, greift ein Prämiensystem. Bis zu 400 Euro zusätzlich für 24 Monate können dann als Zuschlag zum Gehalt gezahlt werden. Die konkrete Höhe der Prämie sei abhängig von der Schulform und der Fächerkombination, der Zuschlag beträgt aber mindestes 150 Euro. „Das Instrument kann landesweit ab sofort für alle offenen Stellen eingesetzt werden“, so Tonne. Alle Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst für Haupt-, Real- und Förderschulen erhalten ab August eine „HRS-Prämie“ in Höhe von rund 300 Euro für die Dauer des gesamten Vorbereitungsdienstes. Außerdem zahlt das Land eine Umzugskostenvergütung, wenn Lehrer offene Stellen an Schulstandorten in ländlichen Regionen annehmen.
Quereinsteiger
Allen Bewerberinnen und Bewerbern soll ein Einstellungsangebot im Schulbereich gemacht werden, wenn nicht als Lehrkraft, dann im Bereich der pädagogischen Mitarbeit. Das Land führt „Vorratsprüfungen“ ein. Das heißt: Schon vor der ersten Auswahlrunde soll die Eignung festgestellt werden. Ausländische Hochschulabschlüsse sollen schneller anerkannt werden. Das gelte besonders dann, wenn Lehrkräfte aus dem Ausland nur ein Schulfach studiert haben.
Weitere Maßnahmen
Wer Lehramt an Grundschulen oder Gymnasien studiert hat, darf auch am Vorbereitungsdienst für Haupt- und Realschulen teilnehmen. Die Schulleitungen vor Ort können zusätzliches Personal generieren. Tonne glaubt, dass die Einstellungsverfahren eine „positive Dynamik“ entwickeln werden. Die Kosten des Pakets nannte er nicht. Er gehe aber davon aus, dass die Schulen mit den zusätzlichen 730 Stellen „vollumfänglich handlungsfähig“ seien. Nach Ansicht von Lehrerverbänden und der Landtags-Opposition reicht das Paket keineswegs aus. FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling sprach von „Aktionismus“. Auch weil 915 Lehrer zum Sommer in den Ruhestand gehen, fehle noch Personal für rund 55000 Unterrichtsstunden. Nur 1361 Absolventen verlassen in diesem Sommer den Vorbereitungsdienst.
Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg sagte, Tonne gehe „die großen Stellschrauben“ nicht an: Für die Bezahlung aller Lehrkräfte nach A 13 gebe es kein Geld im Haushalt. auch die sonderpädagogischen Zusatzqualifikationen würden nur am Rande erwähnt. Es handele sich lediglich um „Lippenbekenntnisse“.
