Hannover - Klares Zeichen für Eltern, Schüler und Lehrer: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) plant trotz Corona-Pandemie nach den Schulferien eine vorsichtige Wiederaufnahme des Schulunterrichts. Der genaue Fahrplan soll kommende Woche präsentiert werden, kündigte der Minister am Mittwoch vor dem Niedersächsischen Landtag an.
Das Ministerium werde sich auf drei Szenarien zur Fortführung des Unterrichts nach den Ferien einstellen:
ein eingeschränkter Regelbetrieb,
eine Kombination aus Präsenz- und Online-Unterricht,
und erneute komplette Schulschließungen aufgrund eines regional erhöhten Infektionsgeschehens.
Jeweils vier und zwei Wochen vor Schulbeginn werde – abhängig vom Infektionsgeschehen – geprüft, welches Konzept sich abzeichne. Das Ministerium plane „auf der Basis von Normalität“.
„Für mich ist wichtig, dass der Schulbetrieb vorsichtig wird anlaufen müssen“, betonte Tonne im Parlament. Im Fokus stehe zunächst der Pflichtunterricht gemäß der Stundentafeln. Besonders wichtig sei es weiterhin, „möglichst schnell und umfassend die Verlässlichkeit der Grundschulen zu sichern“. In einem weiteren Schritt könnten dann die Zusatzangebote, Wahlunterricht und insbesondere das Ganztagsangebot mit Aktivitäten außerhalb des Unterrichts in den Blick genommen werden. Es müsse aber immer klar sein: „Das Virus ist nicht verschwunden“, sagte Tonne. Falls sich die Infektionszahlen regional wieder erhöhen sollten, werde wiederum auf eine Kombination aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause gesetzt. Die Erlasse für das Lernen zu Hause würden angepasst.
Tonne sagte, sein Ministerium stehe in einem engen Austausch mit bildungspolitischen Verbänden und Interessenvertretungen. Deren Anregungen würden mit Blick auf die nötigen Szenarien frühzeitig einbezogen.
Erst vergangene Woche hatte sich Tonne wütenden Protest von Lehrern und Eltern eingehandelt, weil zwei Erlasse die Arbeitsbedingungen aus Sicht der Schulen deutlich verschlechtert hätten. Im Landtag erklärte der Minister am Mittwoch, dass der Erlass, die „Poolstunden“ für die Jahrgänge fünf bis zehn einzuschränken, nur das neue Schuljahr betreffe. Der Zusatzbedarf für den Ganztag und die Inklusion würden nicht angetastet. Ein weiterer Erlass zur Neubildung von Klassen wurde sofort wieder aufgehoben.
Unabhängig von der Corona-Krise benötige das Land aber weiterhin dringend neue Lehrkräfte. 75 Prozent der zum neuen Schuljahr ausgeschriebenen Stellen seien bereits besetzt, so Tonne. Im Grundschulbereich seien es 80 Prozent. Es werde sich nicht vermeiden lassen, dass Lehrerinnen und Lehrer wieder zur Arbeit an einer anderen Schule abgeordnet werden.
Scharfe Kritik kam von der Opposition im Landtag: Der Minister habe einen „Offenbarungseid“ geleistet, meinte Julia Willie Hamburg (Grüne). Weil das Kultusministerium seine Hausaufgaben nicht schaffe, müssten insbesondere die Schulleitungen nachsitzen. Björn Försterling (FDP) meinte, Minister Tonne lasse die Schulen „nach wie vor im Dunkeln darüber, wie in das neue Schuljahr gestartet werden soll“. Zwei Wochen vor Ende des aktuellen Schuljahres kündige er lediglich an, in Kürze ein Konzept vorzulegen. Aus Sicht Försterlings ist für das neue Schuljahr nur eines klar: „Der Lehrermangel bleibt bestehen, darauf ist leider Verlass bei dieser Regierung.“
