Hannover - Globaler Temperaturanstieg, längere Dürreperioden, aber auch mehr Starkregen: Der Klimawandel sorgt für große Herausforderungen bei der Wasserversorgung. Zwar gilt die Trinkwasserversorgung aktuell als gesichert. Das knappe Gut soll aber besser geschützt werden. Unter der Regie des Umweltministeriums entwickelte das Land ein Wasserversorgungskonzept. „Wir müssen mit Wasser sparsam umgehen, vorhandenes Wasser klüger managen“, forderte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Hannover ein Umdenken.
Der Ist-Zustand
„Die Grundwasserstände haben sich erheblich verändert“, sagte Lies. Der Nutzungsdruck auf das Reservoir werde bis 2050 nochmals wachsen. Vor allem der Bedarf der Landwirtschaft nehme zu – etwa bei der Feldberegnung. 2015 wurden landesweit 1,3 Milliarden Kubikmeter Wasser entnommen; davon entfallen 747 Mio. Kubikmeter auf die Öffentliche Wasserversorgung, 78 Mio. Kubikmeter auf tierhaltende Betriebe, etwa 254 Mio. Kubikmeter auf die Feldberegnung und 205 Mio. Kubikmeter auf die Industrie. Berechnungen zufolge wird bis 2050 ein Anstieg auf rund 1,7 Mrd. Kubikmeter erwartet. Das Gleichgewicht von Wasserentnahme und -neubildung sei in vielen Regionen gestört. Aber: Von den 120 Litern Wasser, die jeder Bürger statistisch pro Tag verbrauche, würden nur fünf Liter als Lebensmittel genutzt.
Das Konzept
An dem Versorgungskonzept haben Vertreter der Kommunen, der Wasserversorger und der Landwirtschaft mitgearbeitet. Ziel des Wassermanagements sei es, weitere Einsparmöglichkeiten zu prüfen, vor allem aber ein Umdenken anzuregen: weg von der Entwässerung und hin zu besserer Speicherung und sinnvoller Verteilung. Im Konzept finden sich etliche Vorschläge: Bei der Städtebauplanung soll ein „Schwamm-Effekt“ für die Speicherung von Regenwasser genutzt werden. Moore sollen besser geschützt, Sickerteiche und Rückhaltebecken gebaut werden. Die Industrie solle ihr Abwasser effektiver nutzen. An der Küste müssten Schöpfwerke erneuert werden, sagte Lies. Er forderte eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes bei der Finanzierung der Klimafolgenanpassung.
Die Verbände
Marco Trips, Präsident des Städte- und Gemeindebundes, warnte vor zusätzlichen Belastungen der Bürger durch höhere Wassergebühren. Den Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung und die Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung betonte Godehard Hennies (Wasserverbandstag). Mit rund 6,5 Mrd. Kubikmetern sei die „Badewanne“ mit Trinkwasser noch gut gefüllt, sagte Thorsten Riggert (Landvolk). Das dürfe aber nicht zu Sorglosigkeit im Umgang mit dem knappen Gut verleiten. Die Unternehmerverbände (UVN) forderten eine stärkere Einbindung der Industrie.
Die Umsetzung
Das Versorgungskonzept biete den Rahmen, regional differenzierte Lösungen zu erarbeiten, sagte Lies. Das Land stelle 32 Millionen Euro für unterschiedliche Projekte zur Verfügung. Ein positives Beispiel sei im Landkreis Nienburg/Weser mit der Herstellung naturnaher Lebensräume im Lichtenmoor zu finden. Die wirksamste Lösung biete aber ein konsequenter Klimaschutz, betonte der Umweltminister.
