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NWZonline.de Nachrichten Politik

Außer Spesen nichts gewesen

01.03.2019

Hanoi Die Tafel im Hotel „Metropole“ in Hanoi war schon gedeckt, Blumen schmückten den Tisch, um 11.55 Uhr wollte US-Präsident Donald Trump hier mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un speisen. Das Mittagessen sollte der letzte Termin vor Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung sein, mit der die beiden bei ihrem zweiten Gipfel Geschichte schreiben wollten.

Nicht nur das Essen, auch die Erklärung fiel aus. Der Gipfel ist gescheitert. Ein Debakel für Trump – der einen Erfolg angesichts des gewaltigen Ärgers zu Hause so dringend gebraucht hätte. Der Mann aus Pjöngjang wollte mehr Zugeständnisse, als Trump zu machen bereit war.

Dabei hatte das Treffen vielversprechend begonnen. Trump ging gewaltig in Vorleistung. In Singapur hatte Kim grundsätzliche Bereitschaft zur „Denuklearisierung“ verkündet. Trump rückte davon ab, dass Nordkorea Atomwaffen und Raketen schnell abrüsten müsse. „Es gibt keine Eile“, sagte er in Hanoi. „Geschwindigkeit ist nicht wichtig.“ Hauptsache, Kim teste nicht mehr.

Das muss Nordkoreas Machthaber allerdings vermutlich auch gar nicht mehr: Glaubt man ihm, sind die Atomwaffen und Raketen Nordkoreas einsatzbereit. Die US-Geheimdienste sind ebenfalls davon überzeugt, dass Nordkorea jetzt schon eine atomare Bedrohung darstellt. Nicht nur in der Sache kam Trump Kim entgegen. Mit dem Auftritt auf der Weltbühne wertete er den isolierten Machthaber auf. Schon das ist ein Erfolg für Kim.

Nur etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Trump sagte: „Kein Regime hat seine eigenen Bürger totaler oder brutaler unterdrückt als die grausame Diktatur in Nordkorea.“ In Hanoi spielten Menschenrechte nun gar keine Rolle. Unmittelbar vor dem Wiedersehen schickte Trump einen Tweet in die Welt, in dem er den Diktator seinen „Freund“ nannte. Im Anschluss an den „Handshake“ sagte er: „Es ist eine Ehre, mit dem Vorsitzenden Kim zusammen zu sein.“

Nach dem Abendessen lobte Trump den „sehr guten Dialog“ mit Kim. Er sprach von einem „großartigen“ Treffen. Als er sich nach der Rückkehr ins „Marriott“-Hotel vor den Fernseher setzte, dürfte seine Laune allerdings in den Keller gegangen sein. Trump konnte live zusehen, wie ihn sein Ex-Anwalt Michael Cohen zu Hause, auf der anderen Seite der Welt, als Betrüger und Rassisten verunglimpfte.

Mit einem Durchbruch in Hanoi hätte Trump Cohen aus den Schlagzeilen verdrängen können. Am späten Mittwoch sah es nach einem Erfolg aus: Das Weiße Haus teilte mit, Trump und Kim würden am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. So etwas kündigt man eigentlich nur an, wenn die Sache praktisch unter Dach und Fach ist – weil eine spätere Absage sonst jedem unmissverständlich deutlich macht, dass der Gipfel gescheitert ist.

Trump wäre nicht Trump, würde er nicht trotzdem versuchen, das Treffen als Erfolg zu verkaufen – wobei das diesmal selbst ihm nicht leicht fällt. In alte Zeiten, als er und Kim sich mit Beschimpfungen überzogen, will Trump trotz allem nicht zurückfallen. „Wir mögen einander einfach. Wir haben eine gute Beziehung.“ Von Kim selbst war indes nichts mehr zu hören.

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