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NWZonline.de Nachrichten Politik

Porträt: Was von „Onkel Ho“ bleibt

02.09.2019

Hanoi Ho Chi Minh is gonna win“ (Ho Chi Minh wird gewinnen) skandierten die Studenten in den USA, als sie Ende der 1960er Jahre gegen den Vietnam-Krieg auf die Straßen gingen. Das war kurz bevor US-Präsident Richard Nixon den schrittweisen Abzug seiner Truppen anordnete und sich die Niederlage der USA, des scheinbar übermächtigen Goliath, gegen den asiatischen David abzeichnete.

Ho Chi Minh war das Gesicht dieses ungleichen Kampfes. Das Ende des Konflikts 1975 erlebte der Berufsrevolutionär mit dem weißen Kinnbart und der hohen Stirn allerdings nicht mehr mit: Er starb am 2. September 1969 an den Folgen eines Herzinfarkts. Ein halbes Jahrhundert später bleibt „Onkel Ho“ in vielen Dingen ein Rätsel – was nicht zuletzt den 60 oder mehr Pseudonymen geschuldet ist, die er sich im Laufe seines Lebens zulegte.

Nur eins scheint sicher: Das von Bewunderern wie Gegnern gepflegte Klischee vom durchsetzungsstarken Staatenlenker lässt sich so kaum halten. Zu schillernd sein Werdegang, zu übermächtig die politischen Kräfte, denen der schmächtige Sohn eines Lehrers zeit seiner Karriere ausgesetzt war.

Geboren mutmaßlich am 19. Mai 1890 als Nguyen Sinh Cung, ließ ihn sein ehrgeiziger Vater nach 1900 als „Nguyen Tat Thanh“ ins Dorfregister eintragen. Trotz kritischer Haltung gegenüber den französischen Kolonialherren reiste der junge Nguyen als Schiffskoch 1911 nach Europa, wo er sich bis 1923 meist in Paris aufhielt.

In diese Zeit fällt auch sein erster öffentlicher Auftritt am Rande der Friedensverhandlungen von Versailles nach Ende des Ersten Weltkriegs. Dort hatte US-Präsident Woodrow Wilson seine Idee vom Selbstbestimmungsrecht der Völker formuliert. Zusammen mit anderen Landsleuten hoffte „Nguyen, der Patriot“ auf Anerkennung der „Forderungen der Menschen von Annam“. Aber „er gelangte nicht mal in Wilsons Nähe“, sagt Historiker Eckart Conze.

In der Petition war unter anderem von mehr politischer Mitsprache sowie Meinungs- und Pressefreiheit die Rede – nicht jedoch von nationaler Unabhängigkeit, wie Biograf Martin Großheim betont. Trotzdem saß Nguyen seitdem die französische Polizei im Nacken.

Sein politisches Erweckungserlebnis soll er im Juli 1920 bei der Lektüre von Lenins „Thesen zur nationalen und kolonialen Frage“ gehabt haben. „Dies ist der Weg zu unserer Befreiung“, war er sich nun sicher. Eine politische Heimat bot ihm die Sozialistische Partei Frankreichs; bald schon band er den Kommunismus mit den Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius und dessen Losung zusammen: „Man muss nicht die Armut fürchten, sondern die ungleiche Verteilung von Gütern.“

Es folgten Lehrjahre in Moskau sowie als Agent und Agitator in China und Südostasien. Richtungskämpfe, Säuberungswellen unter Sowjetherrscher Josef Stalin, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: Mehr als einmal geriet der vietnamesische Patriot ins Abseits, musste gar um sein Leben fürchten, bevor er ab 1941 zu einer der treibenden Kräfte der Unabhängigkeitsbewegung in Vietnam wurde.

Als Ho Chi Minh („Ho mit starkem Willen und Intelligenz“) rief er vor fast einer Million Zuhörern am 2. September 1945 auf dem Ba-Dinh-Platz in Hanoi die Demokratische Republik Vietnam aus. Mit seinem Outfit – Khaki-Anzug, Stehkragen, Gummisandalen – gab sich der 1. Mann im neuen Staat volksnah und bescheiden. Ein Image, das ihm bis zum Ende treu blieb, auch wenn ihm die schwersten Prüfungen noch bevorstanden.

Vergeblich versuchten die Franzosen nach 1945, die Herrschaft über Indochina zurückzuerlangen; dann, im Kalten Krieg, übernahmen die USA. Vietnam erhielt Unterstützung von China und der Sowjetunion. Dazwischen kam es im Inneren bei einer Landreform zu blutigen Exzessen. Hos Rolle bei diesem düsteren Kapitel ist bis heute unklar, ebenso sein tatsächlicher Handlungsspielraum. Andere hielten inzwischen die Macht in den Händen. Seinen letzten Wunsch nach einem bescheidenen Begräbnis ignorierte die neue Führung. Sie brauchte ihn als nationale Ikone – und setzte ihm 1975 mit einem klotzigen Mausoleum in Hanoi ein Denkmal.

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