Harkebrügge - Es war vor rund 60 Jahren. Da verbrachte Alfred Köbe aus Offenburg (Baden-Württemberg) zum letzten Mal einen Teil seiner Schulferien im Alter von 14 Jahren auf dem Bauernhof von Landwirt Heinz Brand-Sassen in Harkebrügge. In dem Ort, in dem er 1947 geboren wurde und zwei Jahre lang aufwuchs. Nun kehrte er in das einstige Golddorf zurück. Aber nicht um Urlaub zu machen, sondern um mit Heimatfreund Heinz Frerichs auf Ahnensuche zu gehen.
Ahnentafel aufbauen
„Ich möchte eine Ahnentafel aufbauen und dazu ist es wichtig, dass ich an den Ort zurückkehre, wo ich das Licht der Welt erblickte und wo meine Eltern gelebt haben“, sagt Köbe. Längst hat er mit 72 Jahren das Rentenalter erreicht und nun Muße gefunden, um sich auf Spurensuche der Verwandtschaft zu begeben.
„Ich habe nichts über das Reichsarbeitsdienstlager gewusst. Erst als ich einen Artikel in derNWZ über die Erstellung einer Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Harkebrügger Schützengilde gelesen habe, bin ich aktiv geworden und habe mich beim Aktivkreis Harkebrügge gemeldet und der hat mich an Heinz Frerichs verwiesen“, sagt Köbe. Sein Vater, der ebenfalls Alfred mit Vornamen hieß, kam im Jahr 1938 zusammen mit seiner Frau Elisabeth aus Swiadnow (damals Schlesien) nach Harkebrügge.
Der damals 27-jährige Alfred genannt „Fredy“ Köbe kam in das Reicharbeitsdienstlager mit der Nummer 6/195 im Harkebrügger Ortsteil Hüttentange. „Damals gab es insgesamt sieben Lager: Camperfehn, Glittenberg, Brand-Reeken, Harkebrügge, Reekenfeld, Hüttentange und Lohe. Dadurch sollten die Moorflächen westlich der Soeste kultiviert werden“, sagt Harkebrügges Heimatforscher Heinz Frerichs.
„Mein Vater, der von Beruf Schlichtmeister – Webereimeister – war, kam nach drei Jahren Lager im Jahr 1941 in Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1946 nach Harkebrügge zurück. Meine Mutter Elisabeth betrieb in Harkebrügge ein Friseurgeschäft“, sagt Köbe.
Erinnerung an Kindheit
Sein Großvater mütterlicherseits, Hermann Theisinger, war politisch engagiert und saß im Rat der Gemeinde Barßel. Im Jahr 1949 zog die Familie dann aus Harkebrügge weg, da Vater Fredy woanders Arbeit gefunden hatte. An seine ersten zwei Jahre in Harkebrügge hat Köbe natürlich keine Erinnerungen mehr – wohl aber an die Zeit der Schulferien auf dem Hof Brand-Sassen. „Ich habe das Radfahren gelernt und dabei immer Angst gehabt, ich könnte die freilaufenden Hühner überfahren“, sagt der gebürtige Harkebrügger.
Das Dorf habe sich wahnsinnig entwickelt. „Alle Häuser mit Vorgärten sind sehr schön. Alles ist wunderbar grün“, schwärmt Köbe. Sobald er seine Harkebrügger Recherchen aufgearbeitet hat, möchte er im Frühjahr 2021 seinem Geburtsort wieder einen Besuch abstatten.
