Harpstedt - Durch die Kritik der Jusos Wildeshausen-Harpstedt-Dötlingen an der Entscheidung des Harpstedter Fleckenrats, keine Stolpersteine zu verlegen, ist bei Altbürgermeister Hermann Bokelmann der Eindruck entstanden, dass die Jusos nicht richtig informiert wurden. Bokelmann weist darauf hin, dass bisher er der einzige Harpstedter Bürger sei, der aktiv an die Harpstedter Juden erinnerte.

Er teilte Morten Wiesner und Daniel Helms von den Jusos mit, dass er schon 1992 – vor fast 30 Jahren – die Namen der von den Nazis ermordeten Harpstedter Juden bei der Vorstellung des Buches: „Landkreis Oldenburg – Menschen – Geschichte – Landschaft“ im Abschnitt „Juden im Landkreis Oldenburg“ gesehen habe.

Daraufhin habe er als Bürgermeister veranlasst, dass zunächst der Verfasser des Berichts, Werner Meiners, Wardenburg, zum Vortrag eingeladen wurde. Dann habe er dem Gemeinderat die Aufstellung einer Gedenktafel vorgeschlagen, dem der gesamte Rat zustimmte. Am 14. August 1996 wurden zwei Gedenktafeln auf dem Amtshof und auf dem Judenfriedhof enthüllt, erinnert Bokelmann. Zu der Zeit seien die Stolpersteine des Künstlers Günter Demnig nicht bekannt gewesen. Demnig habe sie erst 2005 dem Flecken Harpstedt angeboten. Das Angebot sei wegen der bereits aufgestellten großen Gedenktafeln abgelehnt worden.

Des Weiteren führt Hermann Bokelmann auf, dass er mit Heinrich Sudmann 2017 an die vor 75 Jahren im Minsker Ghetto umgebrachten vier Harpstedter Juden erinnerte und Steine auf die Gedenktafel legte. Der von ihm geschriebene Bericht mit Bild wurde nicht nur in den Lokalzeitungen, sondern auch im Internet veröffentlicht, und in Kolumbien von Giovanna de Vries gelesen. Auf diesen Bericht hin hatte sich die Enkeltochter von Walter des Vries, dem einzigen Mitglied der Familie de Vries, das 1938 ins Exil ging, bei der NWZ gemeldet.

Der Altbürgermeister bietet den Jusos an, ihnen aus der Harpstedter Geschichte vorzutragen und zu berichten, was er in über zwei Jahrzehnten zur Erinnerung an Nazi-Zeit und Judenverfolgung schon alles unternahm – als andere in der Zeit schwiegen.

Dazu schlägt der „Alt-Sozi“ Bokelmann ein Treffen auf dem Amtshof am Gedenkstein vor für die „Bürger des Fleckens Harpstedt, die Opfer der Nationalsozialistischen Judenverfolgung wurden“. Dabei solle gemeinsam überlegt werden, wie in Harpstedt ständiges Gedenken nachhaltiger erfolgen kann.