HARPSTEDT - Die Mauer war längst gefallen, als die überzeugte DDR-Bürgerin und Mutter des 21-jährigen Alex nach einem Herzinfarkt aus dem Koma erwacht. Keine Aufregung und schon gar nicht ein Siegeszug des Kapitalismus’ sind oberstes Gebot für Alex und seine Schwester. Der Sohn baut eine Scheinwelt mit täglicher „Aktueller Kamera“ und einer DDR auf, die auf 79 Quadratmetern weiter existiert. Das ist der Stoff auf dem der preisgekrönte Film und mittlerweile Klassiker „Good Bye Lenin“ von Wolfgang Becker aufbaut.

Rund 30 Harpstedter fanden sich zum Auftakt der so genannten Deutschen Reihe im ersten Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde ein. Dort wurde nicht nur der Film gezeigt, sondern im Anschluss auch ein Gespräch mit Pfarrer i. R. Martin Eber und dessen Ehefrau Dr. Wiltrud Eber aus Eisleben geführt. Sie waren eigens für den Filmabend angereist.

Das Paar ist seit 25 Jahren mit Familie Diekmann aus Klosterseelte bekannt. Die beiden Ehepaare lernten sich 1988 also noch vor dem Mauerfall bei einer Beerdigung eines Onkels nach der Trauerfeier kennen. Der Kontakt hält bis heute und führte auch zu dem Besuch von Ebers zum Auftakt der Deutschen Reihe.

Daneben versüßten im wahrsten Sinne des Wortes heute noch zu kaufende DDR-Waren den Filmabend. Ob die Mokka-Bohnen, der Hansa-Keks, die Bambina-Schokolade, oder das Original Dinkelchen sowie die Aschenbrödel Waffelröllchen, Spreewaldgurken und andere Spezialitäten. „Das ist wirklich zum Teil Markenware so wie es sie damals bei uns gab und heute in neuer Aufmachung gibt. Darunter sind wirklich gute Produkte wie das Knäckebrot oder die Zwiebäcke“, ließ Medizinerin Wiltrud Eber durchblicken. Sie hatten die Esswaren eigens für den Abend mitgebracht. Auch der Rotkäppchen-Sekt, den es allerdings nur in Ausnahmefällen zu DDR-Zeiten zu kaufen gab, wurde nicht vergessen.

Zur oft grotesken Darstellung in Zeiten des Mauerfalls erklärte Martin Eber, dass er als Pastor fast ausschließlich mit der Kommunikation mit den Bürgern beschäftigt war. „Wir informierten über unsere damals beschränkten Mittel über die aktuellen Ereignisse. Das erforderte Zeit und Kraft.“

Zum Film selber meinte Eber, dass es viele Punkte gebe, an denen einfach einmal innegehalten werden müsste. „Wir als DDR-Bürger haben bestimmte Erinnerungen und Erfahrungen zu einigen Darstellungen, die trotz aller Groteske für einen Westbürger nicht nachzuvollziehen sind.“ Beim Betrachten des Films steht bisweilen immer noch ein Stück Abschied für die 16 Millionen DDR-Bürger im Mittelpunkt, die nach 40 Jahren alles Gewohnte abschneiden müssten. Das sei nicht Wehmut, aber ein Stück Vergangenheitsbewältigung und Geschichte.