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NWZonline.de Nachrichten Politik

Heftige Debatte um Hetzschrift

09.01.2016
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München In den Giftschrank oder in den Buchladen? Die Frage nach dem angemessenen Umgang mit Adolf Hitlers „Mein Kampf“ beschäftigt die Historiker. Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer finden es unerträglich, dass gerade in Deutschland die Hetzschrift wieder erscheint. „Es ist furchtbar, wenn im Land der Täter die Nachkommen der Überlebenden zusehen müssen, wie wieder ,Mein Kampf’ in einer neuen Fassung vorgestellt wird, ein unvorstellbarer Gedanke“, sagte der 95-Jährige dem Bayerischen Rundfunk.

Allerdings: Ein reiner Nachdruck ist das Werk des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin nicht. Es ist eine kritische Edition, die das hasserfüllte und bisweilen wirr geschriebene Propagandabuch des Nazi-Diktators entmystifizieren will.

„Sie enttarnt die von Hitler gestreuten Falschinformationen und seine Lügen und macht jene zahllosen Halbwahrheiten kenntlich, die auf propagandistische Wirkung zielten“, sagte Institutsdirektor Andreas Wirsching bei der Vorstellung am Freitag in München.

Ein wichtiger Grund für das Erscheinen war das Auslaufen der Urheberrechte, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges beim Freistaat Bayern lagen. Doch nun sind 70 Jahre vorbei, und theoretisch könnte nun jeder Hitlers Machwerk publizieren. „Es wäre schlicht unverantwortlich, dieses Konvolut der Unmenschlichkeit gemeinfrei und kommentarlos vagabundieren zu lassen, ohne ihm eine kritische Referenzausgabe entgegenzustellen, die Text und Autor gewissermaßen in die Schranken weist“, begründet Wirsching.

Ganz so gemeinfrei ist das zwischen 1924 und 1926 verfasste Buch allerdings nicht – gilt sein Inhalt doch in Deutschland nach wie vor als Volksverhetzung. Der unveränderte Nachdruck zum Zwecke der Verbreitung wie auch die Verbreitung seien deshalb grundsätzlich strafbar, teilte das Bayerische Justizministerium mit.

Das sei auch wichtig, betont der Zentralrat der Juden in Deutschland. Hitlers Machwerk transportiere einen vulgären Antisemitismus. Es verhöhne die Opfer der Shoa und verletze die Gefühle der Überlebenden zutiefst. „Selbst wenn antiquarische Ausgaben und Übersetzungen international weiterhin erhältlich sind, ist dies die einzig angemessene Reaktion des deutschen Rechtsstaats“, konstatiert der Zentralrat.

Rund drei Jahre lang arbeiteten sich Projektleiter Christian Hartmann und sein Team, darunter mehr als 80 externe Experten, in „Mein Kampf“ ein. Dass das Buch die neuen Rechten in ihrer Gesinnung bestärken wird, glaubt er nicht. „Unsere Edition ist im Grunde genommen eine völlige Demontage dieses Buches, von dieser Ideologie und von diesen Vorstellungen bleibt eigentlich nichts mehr übrig.“

Und trotzdem wäre manchen lieber, wenn das Buch in der Versenkung bliebe. So wie etwa Ronald S. Lauder, dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses (WJC). „Von diesem abscheulichen und giftigen Buch sind schon genug Exemplare gedruckt worden“, sagte er. „Es wäre also das Beste, ,Mein Kampf‘ dort zu lassen, wo es hingehört: Im Giftschrank der Geschichte.“

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