Nur sechs direkt gewählte Abgeordnete seit 1949
16 Mal wurde seit 1949 gewählt. 3 Mal gewann die CDU, 13 Mal die SPD.
Von Henning Bielefeld
Nordenham Vor genau 60 Jahren, am 14. August 1949, wählten die Deutschen ihren ersten Bundestag. Nordenham war im Krieg kaum zerstört worden, aber die Industrie lag am Boden. Fast 5000 Arbeitslose waren registriert. Sie setzten ihre Hoffnung auf Felten & Guilleaume, das sich gerade ansiedelte, – und auf die SPD.
Frühe Funktionärskarriere
Der Sozialdemokrat Fritz Ohlig war der erste direkt gewählte Abgeordnete des Bundestagswahlkreises Wesermarsch-Delmenhorst, zu dem auch der nordöstliche Teil des Landkreises Oldenburg gehörte. Zu seinem Sieg trug Nordenham ganz erheblich bei: Hier holte er 39,7 Prozent der Stimmen. Im Wahlkreis hatte er nur 31,7 Prozent bekommen. Die Wahlbeteiligung in Nordenham trug 76,6 Prozent, wie die NWZ meldete. Auf Platz zwei stand die FDP mit knapp 20 Prozent, dann folgten die rechtskonservative Deutsche Partei mit knapp 10 Prozent und schließlich die CDU mit 8,1 Prozent. Nur zwei der neun Kandidaten stammten aus der Wesermarsch: der Kapitän Kurt Blasberg aus Elsfleth für die Deutsche Partei und der Schuhmachermeister August Kleinert aus Schwei für die KPD.
Fritz Ohlig dürfte auch geholfen haben, dass er Schlesier war. Schließlich war jeder dritte Nordenhamer damals Vertriebener. Ohlig war am 20. Januar 1902 im schlesischen Striegau geboren worden, teilt das Archiv des Deutschen Bundestages mit. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf des Steinmetzes, schlug aber schon bald eine Funktionärskarriere ein. 1924 wurde er Jugendsekretär des Landesverbandes Schlesien der Sozialistischen Arbeiterjugend und 1926 Jugend- und Bildungssekretär im SPD-Bezirk Mittelschlesien. 1930 rückte er zum Geschäftsführer des Arbeiterjugend-Verlages in Berlin auf.
Die Nazis steckten ihn nach ihrer Machtübernahme ins KZ – zuerst nach Brandenburg, dann nach Oranienburg. 1934 ließen sie ihn frei. 1941 bis 1945 nahm er am Zweiten Weltkrieg teil, und im November 1947 wurde er Bezirkssekretär der Weser-Ems-SPD in Oldenburg.
Aus dieser Position bewarb er sich erfolgreich um das Bundestagsmandat. Doch schon bei der zweiten Bundestagswahl am 6. September 1953 stand die CDU deutlich besser da: Erstmals gewann sie den Wahlkreis Wesermarsch-Delmenhorst direkt, Fritz Ohlig kehrte über die Liste in den Bundestag zurück. Der Mann, an dem er scheiterte, war kein Geringerer als der Bundestagspräsident: Dr. Hermann Ehlers. Der Jurist und Oberkirchenrat aus Oldenburg war 1949 über die Landesliste in den Bundestag gekommen und 1950 zu dessen Präsidenten gewählt worden. Doch er starb am 29. Oktober 1954 in einem Oldenburger Krankenhaus an den Folgen einer Mandelvereiterung.
Müller statt Rodiek
1957 kam für Fritz Ohlig das endgültige Aus, weil er sich mit dem SPD-Bezirksvorsitzenden Georg Peters angelegt hatte. Die SPD nominierte Ernst Rodiek (1902 bis 1980), den Bürgermeister von Altenesch – heute: Lemwerder – zum Direktkandidaten. Doch er verlor bei der Bundestagswahl am 15. September 1957 gegen den CDU-Import Dr. Hermann Siemer (1902 bis 1996), einen Obstbauern aus Vechta. Erst am 15. Juli 1960 rückte er nach, musste aber schon 1961 dem GNSG-Geschäftsführer Heinrich Müller weichen, auf den die Sozialdemokraten jetzt setzten. Ohlig war noch bis 1964 Landessekretär der SPD in Baden-Württemberg und starb am 27. Juni 1971 in Oldenburg.
Heinrich Müller gewann den Wahlkreis am 17. September 1961 und verlor ihn am 19. September 1965 gegen Dr. Siemer. Am 28. September 1969 – bei der Willy-Wahl – holte sich die SPD auch den Wahlkreis Wesermarsch-Delmenhorst zurück und hat ihn seitdem nicht wieder abgegeben. Müller blieb bis 1980, ihm folgte bis 1998 seine Schwiegertochter Margitta Terborg, und seitdem hat Holger Ortel das Mandat inne.
Am 27. September hat der Wähler wieder das Wort.
Am 14. August 1949 wählten die Deutschen den ersten Bundestag. Abgeordneter wurde Fritz Ohlig.
16 Mal wurde seit 1949 gewählt. 3 Mal gewann die CDU, 13 Mal die SPD.
Von Henning Bielefeld
Nordenham Vor genau 60 Jahren, am 14. August 1949, wählten die Deutschen ihren ersten Bundestag. Nordenham war im Krieg kaum zerstört worden, aber die Industrie lag am Boden. Fast 5000 Arbeitslose waren registriert. Sie setzten ihre Hoffnung auf Felten & Guilleaume, das sich gerade ansiedelte, – und auf die SPD.
Frühe Funktionärskarriere
Der Sozialdemokrat Fritz Ohlig war der erste direkt gewählte Abgeordnete des Bundestagswahlkreises Wesermarsch-Delmenhorst, zu dem auch der nordöstliche Teil des Landkreises Oldenburg gehörte. Zu seinem Sieg trug Nordenham ganz erheblich bei: Hier holte er 39,7 Prozent der Stimmen. Im Wahlkreis hatte er nur 31,7 Prozent bekommen. Die Wahlbeteiligung in Nordenham trug 76,6 Prozent, wie die NWZ meldete. Auf Platz zwei stand die FDP mit knapp 20 Prozent, dann folgten die rechtskonservative Deutsche Partei mit knapp 10 Prozent und schließlich die CDU mit 8,1 Prozent. Nur zwei der neun Kandidaten stammten aus der Wesermarsch: der Kapitän Kurt Blasberg aus Elsfleth für die Deutsche Partei und der Schuhmachermeister August Kleinert aus Schwei für die KPD.
Fritz Ohlig dürfte auch geholfen haben, dass er Schlesier war. Schließlich war jeder dritte Nordenhamer damals Vertriebener. Ohlig war am 20. Januar 1902 im schlesischen Striegau geboren worden, teilt das Archiv des Deutschen Bundestages mit. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf des Steinmetzes, schlug aber schon bald eine Funktionärskarriere ein. 1924 wurde er Jugendsekretär des Landesverbandes Schlesien der Sozialistischen Arbeiterjugend und 1926 Jugend- und Bildungssekretär im SPD-Bezirk Mittelschlesien. 1930 rückte er zum Geschäftsführer des Arbeiterjugend-Verlages in Berlin auf.
Die Nazis steckten ihn nach ihrer Machtübernahme ins KZ – zuerst nach Brandenburg, dann nach Oranienburg. 1934 ließen sie ihn frei. 1941 bis 1945 nahm er am Zweiten Weltkrieg teil, und im November 1947 wurde er Bezirkssekretär der Weser-Ems-SPD in Oldenburg.
Aus dieser Position bewarb er sich erfolgreich um das Bundestagsmandat. Doch schon bei der zweiten Bundestagswahl am 6. September 1953 stand die CDU deutlich besser da: Erstmals gewann sie den Wahlkreis Wesermarsch-Delmenhorst direkt, Fritz Ohlig kehrte über die Liste in den Bundestag zurück. Der Mann, an dem er scheiterte, war kein Geringerer als der Bundestagspräsident: Dr. Hermann Ehlers. Der Jurist und Oberkirchenrat aus Oldenburg war 1949 über die Landesliste in den Bundestag gekommen und 1950 zu dessen Präsidenten gewählt worden. Doch er starb am 29. Oktober 1954 in einem Oldenburger Krankenhaus an den Folgen einer Mandelvereiterung.
Müller statt Rodiek
1957 kam für Fritz Ohlig das endgültige Aus, weil er sich mit dem SPD-Bezirksvorsitzenden Georg Peters angelegt hatte. Die SPD nominierte Ernst Rodiek (1902 bis 1980), den Bürgermeister von Altenesch – heute: Lemwerder – zum Direktkandidaten. Doch er verlor bei der Bundestagswahl am 15. September 1957 gegen den CDU-Import Dr. Hermann Siemer (1902 bis 1996), einen Obstbauern aus Vechta. Erst am 15. Juli 1960 rückte er nach, musste aber schon 1961 dem GNSG-Geschäftsführer Heinrich Müller weichen, auf den die Sozialdemokraten jetzt setzten. Ohlig war noch bis 1964 Landessekretär der SPD in Baden-Württemberg und starb am 27. Juni 1971 in Oldenburg.
Heinrich Müller gewann den Wahlkreis am 17. September 1961 und verlor ihn am 19. September 1965 gegen Dr. Siemer. Am 28. September 1969 – bei der Willy-Wahl – holte sich die SPD auch den Wahlkreis Wesermarsch-Delmenhorst zurück und hat ihn seitdem nicht wieder abgegeben. Müller blieb bis 1980, ihm folgte bis 1998 seine Schwiegertochter Margitta Terborg, und seitdem hat Holger Ortel das Mandat inne.
Am 27. September hat der Wähler wieder das Wort.
