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NWZonline.de Nachrichten Politik

Union: Merkels Besuch auf Söders Märcheninsel

15.07.2020

Herrenchiemsee Nein, ein Autogramm will Markus Söder auf keinen Fall. „Das gibt nur Ärger“, ruft er am Dienstag aus sicherem Abstand den Besuchern zu, die sich um ein Schild mit der Aufschrift „Markus Söder Kanzlerkanditat? Ja“ versammelt haben. Dabei dürfte ihn weniger der Rechtschreibfehler als die dann garantierten Schlagzeilen abgeschreckt haben. So sehr ihn die Spekulationen über eine mögliche Kanzlerkandidatur freuen: So weit will er an diesem Morgen, als er auf Kanzlerin Angela Merkel wartet, dann doch nicht gehen.

Die kurze Szene am Landungssteg in Prien am Chiemsee zeigt einmal mehr, was das Phänomen Söder derzeit so auszeichnet: Wo immer er auch hinkommt, die Frage nach seiner politischen Zukunft ist schon da. Für Söder eine mehr als komfortable Situation.

Prunkvoller Termin

Auch aus genau diesem Grund ist es kein normaler Termin an diesem sommerlichen Dienstag. Merkel ist zu Gast in Söders Kabinettssitzung – schon das allein ein ungewöhnlicher Vorgang. Gewiss, Deutschland hat nun die EU-Ratspräsidentschaft inne, und Merkel will der bayerischen Staatsregierung ihre Ziele darlegen. Aber dass sie deshalb extra einen Tag nach Bayern kommt?

Söder jedenfalls lässt das maximal Prunkvolle aus dem Termin herausholen: Er empfängt Merkel auf Schloss Herrenchiemsee, inklusive Dampfer-Schifffahrt, Kutschfahrt zum Schloss, Besuch einer Ausstellung zum Grundgesetz und Mittagessen im großen Spiegelsaal.

Natürlich, es geht um die Bilder. Und als Medienprofi wusste Söder auch vorab, welche Schlagzeilen das Ganze hergeben würde: die Kanzlerin und ihr Kronprinz. Oder gleich andersherum: „Merkel zu Gast beim Kini“. So nennen die Bayern ihren „Märchenkönig“ Ludwig II.

Dass Söder und die CSU Merkel noch einmal derart hofieren würden, war nicht immer abzusehen. Viel war einst zu Bruch gegangen im Dauerkrach über die Migrationspolitik. Auch Söder hatte daran seinen Anteil – das erwähnt er nun aber nicht. Einladung und Besuch sehe er als „Signal für das Miteinander in der Krise“, sagt Söder, und jetzt passe es auch noch zur wichtigen EU-Ratspräsidentschaft. Sein Blick geht nach vorn: „Es sind andere Zeiten, in denen wir andere Wege gehen müssen“, sagt Söder. CDU und CSU müssten zusammenarbeiten.

Funktionierendes Duo

Wie das aussehen kann, zeigten Merkel und Söder in den vergangenen Monaten, als sie die Republik zum Teil gemeinsam durch die Corona-Krise führen mussten. Im Koalitionsausschuss sowieso. Aber auch im Duo aus Kanzlerin und Chef der Ministerpräsidentenkonferenz. Und inhaltlich funktionierte dieses Duo: Merkel und Söder waren, trotz kleinerer Sticheleien in den anschließenden Pressekonferenzen, inhaltlich immer auf dem gleichen, extrem vorsichtigen Kurs.

Auch deshalb befeuert der Besuch auf Herrenchiemsee die Dauerdebatte über Merkels Nachfolge. Steigt am Ende, entgegen allen Beteuerungen, doch Söder in den Ring? Sieht Merkel im neuen, auf Merkel-Mitte-Kurs eingeordneten Söder etwa doch einen Nachfolger?

Wie wichtig ein mächtiger Unterstützer ist, bringt Merkel allen Anwesenden dann auch noch mal selbst in Erinnerung: Ohne den Erbauer von Schloss Herrenchiemsee, König Ludwig II., hätte selbst Richard Wagner „vielleicht manches nicht tun können, wenn er nicht einen Gönner gehabt hätte“. Fragt sich nur, wessen Gönner Merkel sein will.

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