HILKENBROOK - „Damals war hier nichts los, kein Baum, kein Strauch, keine Straßen, nur Sandwege.“ Heinrich Gudenkauf erinnert sich gut an die ersten Jahre in Hilkenbrook. Schließlich gehörte er zu den ersten Siedlern, die vor 75 Jahren in die einst öde Gegend zwischen Esterwegen, Lorup und Gehlenberg zogen. Der 87-jährige Gudenkauf kam damals als Jugendlicher in die karge Moorlandschaft. Seine Eltern folgten 1932 dem Ruf des Siedlungsamtes, das mit der Besiedlung der Gegend beauftragt war. Gudenkauf: „Familien mit vielen Kindern wurden da bevorzugt genommen.“

Schlechtes Wasser

So übersiedelte Heinrich Gudenkauf mit den Eltern, seinen drei Brüdern und einer Schwester von einer landwirtschaftlichen Heuerstelle in Haverbeck bei Damme im Landkreis Vechta in das Emsland. Heute ist er einer der letzten noch lebenden Männern der ersten Stunde in Hilkenbrook.

Seine Eltern kultivierten mühsam das Land, bearbeiteten insgesamt zwölf Hektar Ackerland. Die Familie hielt zunächst vier Kühe, wenige Sauen und einige Mastschweine. „Die Leute besaßen damals kein Geld. Zum Torfstechen wurde die ganze Familie mit eingespannt, denn der Vorrat an Brennstoff für den Winter musste ja besorgt werden,“ erinnert sich der 87-Jährige an die schwere Arbeit im sumpfigen Moor. Die Zeiten waren schwierig. Wasser für das Vieh und die Wäsche wurde beispielsweise aus Brunnen gepumpt, die zunächst nur torfiges und öliges Wasser enthielten. „Trinkwasserbrunnen gab es eher in Richtung Neulorup. Da wurde das Wasser besser.“

Konzentrationslager

Vor Augen hat der Hilkenbrooker auch noch die Gefangenen aus den nahen emsländischen Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. 1934 erlebte er den Bau der ersten Lager mit. Heinrich Gudenkauf: „Wir mussten mit ansehen, wie die politischen Gefangenen in langen Kolonnen ins Moor zogen, um dort am Ortsrand von Hilkenbrook die schwere Arbeit zu verrichten. Ich war damals gerade aus der Schule entlassen worden.“

Unterdessen war das Leben in Hilkenbrook von der täglichen Arbeit auf dem Bauernhof bestimmt. Gelegentliche Abwechslung gab es in der Dorfkneipe der Familie Meerpohl, erinnert sich Heinrich Gudenkauf. „Da gab es noch für einen Groschen einen Schluck. Sieben Biere kosteten zusammen eine Mark.“ Diese Zeiten sind lange vorbei und auch die Kneipe Meerpohl gibt es nicht mehr.

In der Freizeit wandten sich die Gudenkaufs dem Fußball zu. Die Brüder von Heinrich spielten beim damaligen SV Viktoria Hilkenbrook, weiß der 87-Jährige: „Gespielt wurde auf einer Viehweide. Die Tore waren aus Latten gezimmert. Es wurde sehr viel improvisiert und hat trotzdem viel Spaß gemacht.“

Lebensabend

Im zweiten Weltkrieg musste auch Heinrich Gudenkauf seinen Mann stehen, zog als Soldat in den Krieg und geriet in russische Gefangenschaft. Aus der kehrte er 1948 nach Hilkenbrook zurück. Schon zwei Jahre später trat der Hilkenbrooker vor den Traualtar und heiratete Elisabeth Hüning aus Hilkenbrook. Sie starb 1995. Aus der Ehe gingen zwei Jungen und zwei Mädchen hervor. Heinrich Gudenkauf verbringt seinen Lebensabend bei seinem ältesten Sohn in Hilkenbrook.