Oldenburg - Zweimal ist Oldenburger Ehrenbürgern diese Würde bislang nachträglich wieder aberkannt worden. 1948 hatte der Stadtrat Adolf Hitler und seinem Weser-Ems-Gauleiter Carl Röver die ihnen 1937 verliehenen Ehrenbürgerrechte posthum wieder entzogen. Knapp sieben Jahrzehnte später könnte sich dieses Prozedere an diesem Montag wiederholen: In der Ratssitzung (ab 18 Uhr im Kulturzentrum PFL) sollen die Ehrenbürgerschaften für den Heimatschriftsteller August Hinrichs sowie für den früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gestrichen werden. SPD und Grüne hatten im Kulturausschuss dafür gestimmt. Sie verfügen auch im Rat über eine breite Mehrheit.
Vor der Entscheidung hat sich nun der Enkel von August Hinrichs und Sprecher der Erben-GbR, Dirk Hinrichs, zu Wort gemeldet. Es sei ihm unverständlich, wenn der Rat „unwidersprochen“ eine Begründung übernehme, die seinen Großvater fast 60 Jahre nach dessen Tode vom Ehrenbürger zum „Schandbürger“ abstempele. Dirk Hinrichs spielt damit auf Antragsteller Klaus Modick an, der als beratendes Kulturausschussmitglied die Initiative zur Aberkennung von Hinrichs’ Ehrenbürgerwürde gegeben hatte. Modick meint, dass „es einer Stadt, zu deren Ehrenbürgern der jüdische Theologe Leo Trepp zählt und deren Universität nach Carl von Ossietzky benannt ist, zur Schande gereichen würde, weiter an der Ehrenbürgerschaft August Hinrichs’ festzuhalten“.
August Hinrichs (1879 bis 1956), nach dem seit 1939 die niederdeutsche Sparte des Oldenburgischen Staatstheaters benannt ist, hatte die Ehrenbürgerschaft 1944 erhalten. Als „Helfer des Führers“, so steht es in der Ehrenbürgerurkunde, die bis heute gültig ist. Vorstöße, seine Ehrenbürgerschaft zu streichen, hatte es bereits in den Jahren 1991 und 2001 gegeben. Seinerzeit hatte der Rat nach erneuter Überprüfung aber beschlossen, sie nicht anzutasten.
Dirk Hinrichs zitiert in einem Schreiben an Oberbürgermeister Jürgen Krogmann ein Grußwort, das der damalige Erste Bürgermeister Alfred Nehring 2006 anlässlich der Enthüllung einer Gedenktafel zum 50. Todestag von August Hinrichs gehalten hatte. Nehring hatte dabei betont, dass sich Hinrichs niemals antisemitisch oder rassistisch geäußert habe. Seine Funktion als Landesleiter der Reichsschrifttumkammer habe er angenommen, um Schlimmeres zu verhindern. Hinrichs habe Schriftstellerkollegen davor bewahrt, verhaftet zu werden.
Paul von Hindenburg (1847 bis 1934) war die Ehrenbürgerschaft schon 1917 verliehen worden. Er hatte von 1893 bis 1896 das Oldenburgische Infanterieregiment Nr. 9 kommandiert und war später Generalfeldmarschall und Reichspräsident geworden. In letzterer Rolle sehen ihn die Grünen, die die Aberkennung seiner Ehrenbürgerschaft beantragt haben, als Wegbereiter des NS-Regimes.
