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DEUTSCHE EINHEIT: Historische Bilder als Mahnung

04.10.2005

POTSDAM

und Matthias Schröter POTSDAM - Auf der Einheitsfeier dominierte die DDR-Geschichte: Die Mauer hält West-Berlin im Würgegriff, in Abständen taucht ein Wachturm auf, und der Todesstreifen lauert auf „Republikflüchtlinge“. Aus der Vogelperspektive fängt die Kamera die Grenzanlagen ein: Die beklemmenden Bilder flimmern über zwei Großbildschirme in Potsdams Caligari-Halle und nehmen die rund 1000 versammelten Gäste beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit gefangen. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung scheint es notwendig, wieder eindringlich an die Vergangenheit zu erinnern.

„Kein anderes Bauwerk war bis 1989 in ganz Deutschland so verhasst wie die Mauer“, betonte denn auch der amtierende Bundesratspräsident, Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse rief ins Bewusstsein zurück, welchen Erniedrigungen DDR-Bürger ausgesetzt waren, wenn sie einen Reisepass beantragten.

Andere wiederum seien ins Gefängnis gekommen, weil sie ihr Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hätten.

„Erinnern wir uns, wir Ostdeutschen, wenigstens gelegentlich – allzu oft muss es ja nicht mehr sein“, merkte Thierse an. Zuvor hatten der Diskjockey Paul van Dyk aus Eisenhüttenstadt und der Sänger Peter Heppner aus Hamburg gemeinsam mit dem Filmorchester Babelsberg die ansonsten ernste Atmosphäre mit ihrem Song „Wir sind wir“ etwas aufgelockert.

Parallel zu den offiziellen, etwas steifen Feierlichkeiten ging es auf Potsdams Straßen betont locker zu. Das diesjährige Gastgeberland Brandenburg hatte zu einem zweitägigen Bürgerfest eingeladen und seine Erwartungen an den Besucherandrang wohl nicht zu hoch geschraubt: Bis zu 400 000 Bürger sollten in die alte Preußenresidenz an der Havel kommen und tatsächlich drängten sich seit Sonntag Menschenmassen über Potsdams Alten Markt, Lustgarten und Breite Straße.

Zu den Höhepunkten zählten zwei Premieren: Am Montagmorgen marschierte erstmals zum Tag der Einheit eine Parade von Musikbands aus allen 16 Bundesländern auf, um ein Repertoire von Blas- und Fanfarenmusik über Jazz bis hin zu aktuellen Hits zum Besten zu geben. Beeindruckt verfolgten nebeneinander stehend Bundespräsident Horst Köhler, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das Schauspiel mit rund 800 Musikern in ihren Kostümen und Uniformen.

Die zweite Premiere fand auf dem wieder freigelegten und gefluteten Stadtkanal statt, wo sich Olympiasieger und Weltmeister spannende Kanurennen lieferten. Der das Stadtbild prägende Wasserlauf war zu DDR Zeiten zugeschüttet worden. 13 Bühnen boten an den beiden Festtagen ein breites Programm, rund 400 Stände und Buden obendrein Informationen, Talkrunden sowie kulinarische Spezialitäten.

Auch mit Blick auf ihren Anteil an der deutschen Wiedervereinigung waren osteuropäische Staaten wie Polen, Ungarn und Russland stark vertreten. Ein prominenter Repräsentant ließ am Nachmittag noch einmal die Endzeit-Stimmung der DDR 1989 wach werden, nachdem er im Park Sanssouci zum Zeichen der Ost-West-Verständigung ein Kirschbäumchen gepflanzt hatte: Als der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow wieder ins Auto stieg, erscholl der Ruf „Gorbi, Gorbi“.

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