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Höflich, ruhig und sachlich

Mirja Zipfel

Ramsloh - Nein, wer gekommen war, um eine emotional geführte Debatte zwischen Fragenden und Antwortgebenden zu erleben, wurde enttäuscht. Niemand fiel sich ins Wort (auch nicht die Politiker untereinander), und es gab keine verbalen Entgleisungen. Die berühmt-berüchtigten Fetzen flogen hier, am Dienstag in der Aula des Schulzentrums Saterland, nicht. Statt dessen pflegten sie alle, die auf der Bühne saßen, einen höflichen Umgangston, ließen den Gesprächspartner ausreden, nur hier und da mit einer klitzekleinen unterschwelligen Provokation versehen.

102 Amokdrohungen

Nun aber zu schlussfolgern, dass die von den Redaktionsmitgliedern der Schülerzeitung am Laurentius-Siemer-Gymnasium (LSG) initiierte Podiumsdiskussion anlässlich der Landtagswahl 2013 mit niedersächsischen Landtagskandidaten langweilig gewesen ist, trifft ebenfalls nicht zu. Denn wo gibt es das schon in Deutschland: sechs Politiker unterschiedlicher Parteizugehörigkeit, die sachlich, ruhig und in verständlicher Sprache argumentieren? Moderatorin und Schülerin Alina Buxmann aus der zehnten Klasse hatte sie gut im Griff: Dr. Stephan Siemer (CDU; Wahlkreis Vechta), Joachim Dahlke (FDP; Wahlkreis Cloppenburg Nord), Renate Geuter (SPD; Wahlkreis Cloppenburg Nord), Hans-Joachim Janßen (Bündnis 90/Die Grünen; Wahlkreis Cloppenburg Nord), Veruschka Schröter-Voigt (Die Linke; Wahlkreis Oldenburger Land) und Christian Bley (Piraten-Partei; Wahlkreis Cloppenburg Nord).

Wie die Kollegen vom Bildschirm wollten sie es machen. Mit einer „nicht-repräsentativen“ Umfrage, an der sich 139 LSG-Schüler beteiligt hatten, wurde die Gesprächsrunde eingeläutet. Die Zahlen präsentierte Buxmann: „Auf die Frage, ob sie wählen gehen, haben 82 Prozent mit ,Ja’ geantwortet. 50 Prozent glauben aber, dass das Abstimmungsergebnis keinerlei Auswirkungen auf den Alltag hat.“

Auch die Sonntagsfrage habe man den Schülern gestellt: „Würde am nächsten Sonntag gewählt werden, würde die CDU mit 51 Prozent vorne liegen, gefolgt von der SPD (25 Prozent), den Grünen (10 Prozent) und der Piraten-Partei (9 Prozent).“ Überhaupt keine Berücksichtigung gefunden hat die Partei der Linken: Mit null Prozent liegt sie sogar weit hinterm Landesdurchschnitt.

Alles, was den Bereich Schule und Bildung betrifft, war das große Thema in den folgenden 90 Minuten. 102 Amokdrohungen habe es 2011 an niedersächsischen Schulen gegeben, referierte Buxmann. Ihre Frage ans Plenum: „Sind unsere Einrichtungen ausreichend auf Notsituationen vorbereitet?“

Eine provokante Frage, durch die sich keiner der Anwesenden aufs Glatteis führen lassen wollte. Ein klares Ja oder Nein gab es nicht. Mit Blick auf den jüngsten Amoklauf an einer US-amerikanischen Grundschule, argumentierte Stephan Siemer, dass die Amerikaner „extrem laxe Gesetze“ hätten, die es ohne allzu große Schwierigkeiten ermöglichen, „nicht nur an Jagdwaffen“ heranzukommen. Eindeutiger bezogen sie Stellung, was die Anzahl von Schulpsychologen betreffe. Da bilde Niedersachsen die rote Laterne, sagte Renate Geuter. Sie betonte aber, dass man Schulen nicht in Hochsicherheitstrakts verwandeln wolle. „Absolute Sicherheit gibt es nirgendwo“, bekundete auch Joachom Dahlke. „Es geht darum, dass kein Schüler durchs Netz fällt. „Ob das durch Schulpsychologen erreicht werden kann, vermag ich zu bezweifeln“, schloss sich Joachim Janßen der Meinung an. Wichtig sei, so der Grünen-Politiker, auf eine bessere Ausstattung zu setzen, zum Beispiel durch kleinere Klassen. Das bestätigte auch Veruschka Schröter-Voigt, die mit Christian Bley was die Wortbeiträge anbelangte eher zu den Stillen in der Runde gehörte.

Zeit für eine Frage

Viele Bereiche wurden angesprochen: Oberschule, Inklusion, Studienbeiträge oder die Chance des LSG eigenständiges Gymnasium zu werden. Allzu schnell ist die Zeit vergangen. Am Ende blieb nur noch die eine Frage der Moderatorin an Christian Bley – „Sagen Sie, wie peinlich ist Ihre Partei eigentlich?“ – in Anspielung auf den Antrag zur Erforschung von Zeitreisen. Dieser konterte, dass Politik und Spaß durchaus zusammenpassen müssen.

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