Berlin/Weser-Ems - Noch bleiben gut 50 Stunden. Dann lüftet SPD-Chef Sigmar Gabriel das Geheimnis um die nächste Bundesregierung, wenn am Sonnabend gegen 16 bis 18 Uhr die weit über 300 000 Stimmen des SPD-Mitgliederentscheids ausgezählt sind. Hautnah dabei: 13 Helfer aus dem SPD-Bezirk Weser-Ems. Bezirksgeschäftsführer Olaf Abdinghoff-Feldkemper freut sich im Gespräch mit dieser Zeitung schon „auf das Finale“.

Die Genossen aus dem Nordwesten arbeiten wie alle 400 Freiwilligen fast schon in einem Hochsicherheitstrakt. Die alten Bahnhallen in Berlin-Kreuzberg sind bewacht und gesichert wie ein Gold-Depot. Striktes Handy-Verbot für alle Auszähler. Auch Fotoapparate stehen auf dem Index für die Auszählungshalle. Alle Mitarbeiter müssen eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen.

Die fälschungssicheren Wahlunterlagen werden am Freitagnachmittag aus dem Briefzentrum in Leipzig nach Berlin gebracht. Die Fahrt begleiten Mitarbeiter des Parteivorstands im Konvoi. Nach Ankunft gegen Mitternacht werden die jetzt noch verschlossenen Abstimmungsunterlagen am Auszählort geöffnet, geleert, sortiert und gezählt. Abdinghoff-Feldkemper rechnet mit einer „eher schlaflosen Nacht“.

Ein Notar überwacht jeden einzelnen Schritt. In den Umschlägen stecken eidesstattliche Versicherungen, die mit einem Barcode gegen Fälschungen gesichert sind. Diese Barcodes werden gescannt, um zu verhindern, dass eine Person mehrere Stimmen abgegeben hat. Der Parteivorstand hat keinen Zugriff auf diese Daten. Der Ort, an dem dieses Prozedere abläuft, wird geheim gehalten.

Hochleistungs-Schlitzmaschinen können pro Stunde etwas 40 000 Briefe öffnen. Daraus ergibt sich das erwartete Ende am späten Sonnabendnachmittag. Die Kosten für den Mitgliederentscheid liegen bei über 1,6 Millionen Euro, deutlich höher als geschätzt, weil die Wahlbeteiligung von 60 bis 70 Prozent der rund 475 000 SPD-Mitglieder so nicht erwartet worden war.

Mit der Ergebnisbekanntgabe trifft sich sofort die engere SPD-Führung im Willy-Brandt-Haus. Dort wird Parteichef Gabriel das lange gehütete Geheimnis um die Ministerposten lüften. CDU und CSU informieren parallel ihre Spitzengremien. Pünktlich zum 3. Advent steht (voraussichtlich) die Große Koalition.