HOHENKIRCHEN - Küsten­schutz ist Schutz der Menschen – und dass dabei auch der Naturschutz nicht zu kurz kommt, ist ein Verdienst von Früsmer Ortgies: Nach 20 Jahren als Vorsteher des III. Oldenburgischen Deichbands endete seine Amtszeit am 31. März – das von ihm miterarbeitete Papier „Verfahrensmanagement im Küstenschutz“ hatte beispielhafte Signalwirkung weit über die Region hinaus.

Das Papier regelt das Miteinander von Küsten- und Naturschutz im Deichbau, entstanden ist es vor dem Hintergrund des Gerichtsstreits um die Deicherhöhung am Jadebusen. 1996 wurde nach einer Klage des Naturschutzverbands BUND gerichtlich ein Baustopp am Cäciliengrodendeich verfügt. Es ging um die Kleientnahme außendeichs, die die Naturschützer ablehnten. Doch sie hatten nicht mit den Friesen gerechnet: In der Nacht zum 31. August 1996 protestierten rund 16 000 Menschen mit Fackeln auf dem Deich in Cäciliengroden für den Küstenschutz.

Monatelang hatte Ortgies damals mit Naturschutzverbänden und Nationalpark-Verwaltung verhandelt – mit Erfolg: Für den Deichbau wurde auch außendeichs gewonnener Klei verwandt.

Angewandt wurden die Verhandlungsergebnisse auch beim aktuellen Deichbau im Elisabethgroden, mit Kosten von 36 Millionen Euro größtes Projekt des „Deichgrafen“: Der Deichband darf auch für diese Baumaßnahme außendeichs Klei aus vier Pütten entnehmen – die vorbereitenden Arbeiten dazu laufen zurzeit. Das Genehmigungsverfahren, das der Landkreis Friesland dafür anstrengte und von vornherein die Naturschutzverbände beteiligte, hat Modellcharakter.

Auch die Gemeinde Wangerland hat Ortgies einiges zu verdanken: Gemeinsam mit dem Landkreis als Unterer Deichbehörde entwickelte er im Jahr 2000 ein Raumordnungsprogramm für die Kleientnahme – die Idee für das Hohenkirchener „Wangermeer“ war geboren. Als zwei Jahre später die Bundeswehr ihre Kaserne in Hohenkirchen – das heutige Hotel „Dorf Wangerland“ – aufgab, stand der Entwicklung des Wangermeers zur touristischen Attraktion nichts mehr im Weg.

Weitere Projekte Ortgies’ waren die Erhöhung des Pakenser Seedeichs bei Hooksiel 1997, der Neubau des Deichscharts Schillig, der Neubau des nur noch in Teilabschnitten vorhandenen Maadedeichs in Wilhelmshaven 2000 bis 2006 und die Neuprofilierung des Crildumer Deichs.

Wie Hans-Heinrich Schrievers, 20 Jahre lang als stellvertretender Deichbandvorsteher an Ortgies’ Seite, ausführte, sei dabei im Deichbau heute das immer von Ortgies propagierte „friesische Deichprofil“ – überströmbare Deiche mit einer Böschungsneigung binnendeichs von 1:4 – selbstverständlich.

Die Zukunftsfähigkeit der Deichschäfereien, Deich-Kunst und Kultur mit der Küstenschutzausstellung im Küsteum Altmarienhausen, dem Skulpturenpfad „Sieben Tage der Schöpfung“ rund um den Jadebusen und dem Freiluftschauspiel „Der Schimmelreiter“ zur Expo am Meer im Jahr 2000 nannte Schrievers ebenfalls als erfolgreiche Projekte des Deichbands, die Ortgies begleitet hat.