Brake - Bei der Kreiskonferenz mit Delegierten aus allen sieben Ortsvereinen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Wesermarsch stand eine Bestandsaufnahme der letztjährigen Arbeit im Vordergrund. Die Vorsitzende Angelika Czenkusch leitete die Versammlung.
Dieter Kohlmann, stellvertretender Landrat, hob die Bedeutung der Awo für das untere Drittel der Gesellschaft hervor, dessen Interessen in der Politik häufig zu kurz kämen. Dr. Harald Groth, Vorsitzender des Awo-Bezirksverbands Weser-Ems, betonte die positive Stabilisierung des Kreisverbands Unterweser seit der Wahl des neuen Vorstands. Er wies darauf hin, dass es um die Gewährung der Toto-Lotto-Mittel für die Wohlfahrtsverbände, die auch für die Finanzierung der Awo auf Ortsebene eine große Bedeutung hätten, einen Rechtsstreit gäbe. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, beeinträchtige aber nicht die aktuelle Verteilung der genannten Mittel.
Neue Schriftführerin
Angelika Czenkusch stellte die neue Schriftführerin der Region, Barbara Schinski-Busch (Brake), und die neue Kassiererin, Inga Loock-Herholz (Lemwerder), vor, um sich gleichzeitig für die Arbeit der bisherigen Kassiererin, Hannelore Hoffmann (Abbehausen) und der bisherigen Schriftführerin Gabriele Schwarze-Best (Nordenham) zu bedanken. Nach dem Bericht der Revisoren wurde der Vorstand durch die 26 Delegierten einstimmig entlastet.
Prof. Dr. Klaus Busch, der im Vorstand für die Koordinierung des Armutsprojekts und der Flüchtlingsarbeit zuständig ist, berichtete im Anschluss über die Tätigkeit in diesen Bereichen. Die Awo Unterweser wolle im Frühjahr ihren Armutsbericht für die Wesermarsch vorlegen. Darin seien interessante Ergebnisse enthalten. So würden in der Region im Landesvergleich pro 1000 Einwohner überdurchschnittlich viele Empfänger von Mindestsicherungsleistungen (vor allem Hartz IV, Sozialgeld und Grundsicherung) leben. Dies korrespondiere mit den vor kurzem gemeldeten Daten über die unterdurchschnittliche Lebenserwartung von Neugeborenen in der Wesermarsch. Der Titel eines sozialkritischen Filmes aus den 1950er Jahren: „Weil du arm bist, müsst du früher sterben“ sei offensichtlich auch heute noch aktuell.
Viele Kinder betroffen
In der Altersverteilung der Mindestsicherungsleistungen sei vor allem erschreckend, dass die Gruppe der Kinder und Jugendlichen (0 bis 18 Jahre) in der Wesermarsch ein fünfmal höheres Armutsrisiko trügen als die Gruppe der Älteren (65 und älter).
Besonders betroffen ist die Stadt Brake, in der fast jedes dritte Kind im Alter von 0 bis 5 und jedes vierte Kind im Alter von 5 bis 10 Jahren in einem Haushalt lebe, der Mindestsicherungsleistungen empfange. Vor diesem Hintergrund sei es nicht akzeptabel, so Busch weiter, dass die so hoch gelobte Politik der „schwarzen Null“ dazu führe, dass öffentliche Dienstleistungen eingeschränkt würden, die vor allem von den Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien wichtig sind.
