HORUMERSIEL - Mauerbau und Mauerfall standen am Sonnabend im Mittelpunkt des Festakts „20 Jahre deutsche Einheit“, zu dem die CDU Friesland in den Kursaal Horumersiel eingeladen hatte. Kreis-Vorsitzender Frank Vehoff erinnerte daran, dass der Weg zur Einheit seit dem Mauerfall 1989 ein holperiger gewesen sei. „Wir sollten uns erinnern, wie dankbar wir für die Wiedervereinigung sein können“, betonte er. Zudem appellierte an die knapp 70 Teilnehmer, es lohne sich, für Freiheit zu kämpfen: „Denn Freiheit und Selbstbestimmung sind keine Selbstverständlichkeit.“
Wangerland Bürgermeister Harald Hinrichs berichtete, wie er im Frühjahr 1989 das noch geteilte Berlin bei einer Klassenfahrt erlebt hat. Als sich im November die Mauer öffnete, seien schnell Kontakte in den Osten geknüpft worden: Die Kreismusikschule Friesland gründete damals mit der Musikschule Müritz das erste gesamtdeutsche Jugend-Blasorchester. „Wir haben gemeinsam in Jever am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung gefeiert.“
Auch auf Gemeindeebene gab es Kontakte: Das Wangerland schickte einen Mitarbeiter in die Gemeinde Lohsa in Sachsen, dafür kam eine Auszubildende der dortigen Gemeindeverwaltung ins Wangerland.
„Heute leben in Deutschland bereits die ersten Generationen, die nicht mehr die Begriffe ,Ossi‘ und ,Wessi‘ verwenden“, so Hinrichs. Um so wichtiger sei es, an den Weg von der Teilung zur Wiedervereinigung zu erinnern.
Als Festredner schilderten anschließend Wangerlands CDU-Vorsitzende Alice Brandenburg-Bienek als West-Berlinerin und Bernhard Kaps als Ost-Berliner ihre Erinnerungen an die Mauer. Brandenburg-Bienek berichtete von der Angst in West-Berlin, dass wieder Panzer rollen könnten, um die Volksbewegung in der DDR niederzuschlagen. Und darüber, wie die Angst am 9. November 1989 in Euphorie umschlug, als plötzlich die Grenzen offen waren und sich Ost- und West-Deutsche lachend und weinend zugleich in den Armen lagen.
„Und darum ist für mich als gebürtige Berlinerin, die den Bau der Mauer, die Teilung und den Fall der Mauer miterlebt hat, der 9. November der eigentliche Tag der Deutschen Einheit“, sagte Brandenburg-Bienek: „Denn die Wiedervereinigung der Menschen hat an diesem Tag, ganz ohne Verträge, einfach nur aus dem Wunsch nach Freiheit heraus stattgefunden.“
Bernhard Kaps, 1938 in Berlin geboren, berichtete über seine Erlebnisse als Grenzgänger im geteilten Berlin, der im Ostteil wohnte, aber im Westteil zur Schule ging und eine Lehrstelle hatte. Als Mitglied der im Ostteil verbotenen Jungen Union war er 1958 ins Visier der Staatssicherheit geraten und ins Gefängnis Hohenschönhausen verschleppt worden. „Ich wurde dort systematisch demoralisiert, das war Psycho-Terror ohnegleichen“, schilderte er die Verhöre.
Frei gekommen sei er, nachdem er eingewilligt hatte, als IM, als Informeller Mitarbeiter, die Junge Union auszuspionieren. Er erstattete tatsächlich einige Male Bericht – bis seine Mutter aus der Haft entlassen wurde. Danach flüchtete er nach West-Berlin, seine Mutter und Großmutter kamen ein dreiviertel Jahr später nach.
Auch im Westteil engagierte sich Kaps weiter in der Jungen Union. „Wir haben 256 Freunde durch Tunnel aus dem Ostteil in den Westen geschmuggelt“, berichtete er.
Umrahmt wurde die Feierstunde mit Shantys und Seemannsliedern durch den Shantychor Likedeeler.
