Hannover/Delmenhorst - Die Niederländer sind für einige Dinge berühmt: Fahrräder, Windmühlen, Tulpenfelder – aber auch für Snacks aus kleinen Fächern in Selbstbedienungsautomaten. Die hat der hannoversche Gastronom Tim Lösch in Amsterdam entdeckt und sich gleich inspirieren lassen. Der 34-Jährige, ein gebürtiger Delmenhorster, nahm Kontakt zum Hersteller auf. In der hannoverschen „Passerelle“, unweit des Hauptbahnhofs, entstand die nach seinen Angaben erste Fast-Food-Automatenwand dieser Art in Deutschland. Eine weitere Besonderheit: Für seinen Betrieb namens „Hotboxxx“ sucht Lösch gezielt Menschen mit Behinderung.
Teamfähigkeit wichtig
Als „bunten Haufen“ bezeichnet Lösch sein Team: Drei der acht Beschäftigten haben eine Behinderung, eine weitere Beschäftigte spricht nur Englisch. „Es geht nicht um die Vorkenntnisse, die jemand mitbringt, sondern um Teamfähigkeiten, um Empathie füreinander“, erzählt der einstige Event-Manager („Der Party-Löwe“). Sein bester Freund habe eine Behinderung von Geburt an. Seitdem stehe er dem Thema offen gegenüber.
Ein Mitglied aus dem „bunten Haufen“ ist Joy Alexandra Krieg: Die 25-Jährige hat eine Gehbehinderung und kann sich schlecht bücken. Im hannoverschen Annastift machte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin; sie arbeitete dann in Betrieben in Österreich und Spanien. Krieg wollte gern nach Hannover zurück. Da sie aber kein Auto fahren kann, suchte sie einen Arbeitsplatz in Innenstadtnähe. Übers Internet fand sie die „Hotboxxx“ und wurde mit Lösch schnell einig. „Ich bin froh hier zu sein“, sagt die junge Frau. „Ich fühle mich pudelwohl.“
Die Arbeitsagentur hat die Eingliederung der drei Mitarbeiter mit Handicap unterstützt. So erhielt Chris Vehlgut (35), der auf dem linken Auge nur noch eine Sehkraft von fünf Prozent hat, eine Spezialbrille. Wenn Vehlgut diese auf die Geräte in der Küche richtet, wird ihm die Bedienungsanleitung vorgelesen. „Vielfalt fördert die Innovationskraft und macht Unternehmen noch erfolgreicher“, sagt Daniel Terzenbach vom Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Bei der Integration von Menschen mit Schwerbehinderung aus dem Arbeitsmarkt sei durchaus noch mehr möglich.
Weitere Filialen
Die „Hotboxxx“ wird täglich zwischen 11.30 bis 22 Uhr bestückt; freitags und samstags sogar bis 1 Uhr. In der Mittagszeit sei am meisten los, berichtet Krieg. Sie reinigt die Boxen und bestückt sie von der Küchenseite aus unter anderem mit frittierten Hähnchen-Nuggets, Pommes oder „Hemp Balls“. Wenn es Probleme geben sollte, hilft sie den Kunden in der Ladenzeile. Die Ware sei nie länger als 45 Minuten im Automaten. Danach wird der Snack aber nicht weggeworfen, sondern gespendet. „Mir gefällt der Job richtig gut“, sagt die 25-Jährige.
Lösch ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung seines Start-ups zufrieden. In Kürze will der einstige Delmenhorster eine weitere Filiale im Stadtteil Linden eröffnen. Auch Großstädte wie Bremen oder Hamburg hat der Jungunternehmer im Visier. Natürlich sollen auch hier Menschen mit Handicap eingestellt werden.
