Hude - Sie ist nur rund 100 Meter lang, die alte Siedlungsstraße aus den 60er Jahren. Doch diese 100 Meter können den Anwohnern der Flensburger Straße jetzt teuer zu stehen kommen.

Schon vor 25 Jahren sei die Gemeindeverwaltung das erste Mal darauf hingewiesen worden, dass durch Absackungen des Regenwasserkanals die Straße erhebliche Schäden aufwies. Vor 18 Jahren sei das auch das erste Mal schriftlich erfolgt. Doch passiert sei nichts, kritisierten die Anwohner am Donnerstag bei einem Ortstermin mit den Freien Wählern aus Hude.

Jetzt ist die Flensburger Straße so kaputt, dass aus Sicht der Gemeinde keine Reparatur mehr lohnt. Stattdessen soll sie komplett erneuert werden. Und zwar wohl schon in diesem Jahr, ohne die Anwohner vorher zu fragen, ob sie das in dieser Form wollen.

Der Knackpunkt: Ein solcher Ausbau der Straße ist nach der Satzung der Gemeinde beitragspflichtig.

Die Anwohner sehen nicht ein, dass sie für den Ausbau einer Straße, die durch die jahrelange Vernachlässigung der Instandsetzungspflicht durch die Gemeinde in den jetzigen Zustand geraten ist, zur Kasse gebeten werden. Und zwar nicht unerheblich – mit bis zu 70 Prozent der Kosten.

Eine Instandsetzung der Straße mit dem Erhalt des Wardenburger Pflasters sei nicht bezahlbar, sei die Auskunft des Zweckverbandes gewesen. Dieses Pflaster sei aber gerade typisch für den Charakter dieser alten Siedlung, sagen die Anwohner.

Und die vergleichbare Kieler Straße sei vor circa fünf bis sechs Jahren im Zuge von Kanalerneuerungsarbeiten durch Aufnehmen und Neuverlegung des alten Pflasters instandgesetzt worden, berichtet Anwohner Albrecht Stephan.

Es wäre in der Flensburger Straße nie so weit gekommen, wenn schon vor mehr als 20 Jahren die durch den Kanal auftretenden Schäden beseitigt worden wären, sind die Anlieger überzeugt.

Mehr als die Hälfte der Grundstückseigentümer in der Straße ist über 80 Jahre alt, davon drei Anwohner sogar über 90. Alle Anlieger würde es hart treffen, wenn sie mit jeweils einigen Tausend Euro zur Kasse gebeten würden.

Es müssten gerechtere Lösungen gefunden werden, so Dieter Holsten und Ursula Budde von den Freien Wähler.

Eine Möglichkeit wäre, die alte Straßenausbaubeitragssatzung, die Einzelne so hart trifft, durch ein anderes Umlageverfahren zu ersetzen. Stichwort „Wiederkehrende Beiträge“. Die Mehrheit der Huder Politik hat die Beratung darüber aber erst einmal zurückgestellt. Die Freien Wähler geben sich damit nicht zufrieden und fordern eine umfassende Information durch unabhängige Fachleute, wo die Vor- und Nachteile eines solchen Systems liegen.

Die Flensburger Straße ist nur eine von vielen innerörtlichen Straßen in der Gemeinde Hude, die sich in einem desolaten Zustand befinden. Ein Ausbau mit hoher Anliegerbeteiligung trifft oft gerade die Älteren, die die Kosten meistens kaum bezahlen können.

Klaus Derke
Klaus Derke Redaktion Hude