HUDE - Swasiland, die Schweiz Afrikas. Grün, hügelig und gemäßigtes Wetter in Höhen von teilweise über 1000 Metern über dem Meer. Aber da hören die Vergleiche mit Westeuropa auch schon auf. Denn Swasiland, der zweitkleinste Staat auf dem afrikanischen Kontinent, ist das Land mit der höchsten Aids-Rate der Welt. Ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung sind mit HIV infiziert, die Lebenserwartung ist mittlerweile auf 33 Jahre gesunken. In dieses Land ist die Huderin Kerstin Woyke mit ihrer zwölfjährigen Tochter Leonie und ihrer Freundin Susanne Sarwasch aus Oldenburg in den Osterferien gereist, um einen Kindergarten für Aidswaisen zu besuchen.
Auf das „Mahlabeaneni“-Projekt im südöstlichen Swasiland nahe von Big Bend, der mit rund 10 000 Einwohnern drittgrößten Stadt des Landes, war Kerstin Woyke durch ihre Freundin Gugu Shabalala aufmerksam geworden. Die Swasi hatte fünf Jahre mit ihrem Mann, Pastor Zwanini Shabalala, am Lutherstift in Falkenburg gearbeitet, und war 2006 mit ihrer Familie in ihre Heimat zurückgekehrt. In Swasiland lernten die Besucherinnen aus Deutschland Gugus Mutter, Bosi Vilakasi, kennen.
Vilakasi hatte vor einigen Jahren begonnen, für Kinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben, zu kochen. „Oft sitzen die Kleinen allein in einer Hütte und sind auf die Hilfe der Nachbarn und Verwandten angewiesen", berichtet Kerstin Woyke. Inzwischen konnten durch Spenden aus Deutschland zwei Köchinnen und zwei Lehrer angestellt werden. Zu den Spendern zählt auch die Freie Christliche Gemeinde in Oldenburg, der Kerstin Woyke angehört. 500 Euro hat die Kirchengemeinde nach Afrika geschickt – „und wir haben beschlossen, uns die Situation einmal selber vor Ort anzugucken“, sagt die 44-Jährige. Eine kleine Küche ersetzt nun den Kochtopf, mit dem Bosi Vilakasi einst angefangen hatte. Es gibt eine einfache Halle, in der die Kinder unterrichtet werden und Schutz vor der heißen Sonne finden. Zurzeit werden 48 Kinder betreut, die eine warme Mahlzeit am Tag bekommen.
„Wir waren beeindruckt von der Kraft, die von der inzwischen 64 Jahre alten Gründerin des ,Mahlabaneni’-Projektes ausgeht“, erzählt Kerstin Woyke. Die Kinder freuten sich über den Besuch aus Deutschland und wollten unbedingt mit den Gästen fotografiert werden. „Wir haben sie sofort ins Herz geschlossen. Meine Tochter hätte am liebsten ein Kind mitgenommen“, erzählt die Huderin. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Menschen in Swasiland dem Leid, der Armut und dem Tod trotzen“, sagt Kerstin Woyke.
Ihre Reise führte sie auch nach Kapstadt, der Hauptstadt Südafrikas. Auffällig in der Metropole war, wie dicht Reichtum und Armut beieinander liegen: „Wir sahen noble Villen und Kinder, die auf der Straße schlafen. Mit ein paar Rand, der südafrikanische Währung, kann man schon helfen.“ Ihr Fazit nach der Rückkehr: „Wir können dankbar sein für unseren hohen Lebensstandard, den wir oft gar nicht richtig zu schätzen wissen.“
