HUDE - Die Huderinnen haben „vorbildliche Dienste um den Nächsten“ geleistet. Sie leiten einen Frauenwerkkreis, der für Lepra- und Tuberkulosekranke spendet.

Von CHristian Schwarz

HUDE - Eines Tages schrieb der Ministerpräsident. Hildegard Wittig und Barbara Rother staunten nicht schlecht, als sie die Post aus Hannover in ihren Briefkästen fanden. Den beiden Frauen werde, so hieß es darin, die „Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten“ des Landes Niedersachsen verliehen. Dass es sich dabei um keinen Scherz handelte, war spätestens ein paar Tage später klar, als noch ein Brief der niedersächsischen Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann ins Haus flatterte. Die beiden Huderinnen hatten also tatsächlich eine Ehrung von staatlicher Seite zu erwarten.

Am heutigen Donnerstag um 13 Uhr überreicht die Ministerin Frau Wittig und Frau Rother die Medaillen. Beide haben sich in der Tat für den Nächsten eingesetzt. Obwohl sie nicht müde werden, auch die Arbeit der anderen Mitglieder des Frauenwerkkreises der Kirchengemeinde St. Marien, den sie seit 1985 leiten, zu erwähnen. Diese Gruppe von mittlerweile 15 Frauen verkauft jedes Jahr am Totensonntag selbstgemachte Handarbeiten zugunsten der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (ehemals Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk). An jedem zweiten Mittwoch treffen sie sich ab 15 Uhr im Pfarrheim von St. Marien.

Decken, Schürzen, Holzarbeiten, Taschen, Socken und alles, was gehäkelt, genäht, bestickt, getöpfert, geklebt und gesägt werden kann – die Angebotspalette ist breit. In den 26 Jahren, die der eingetragene Verein nun existiert, sind bereits 79 000 Euro an Spenden zusammen gekommen. Dass die 75-jährige Hildegard Wittig und die 73-jährige Barbara Rother das alles nicht allein geschafft haben, versteht sich von selbst. Dennoch gilt die Ehrung den beiden Leiterinnen des Frauenwerkkreises. Denn zu diesem Ehrenamt gehören auch jede Menge Organisationstalent, Geduld und Eigeninitiative.

Die beiden gebürtigen Schlesierinnen sind sehr gespannt, was heute in Hannover auf sie zukommt. Wie die Medaillen aussehen, können die beiden nur rätseln. „Ich kenne ja niemanden, der so eine Auszeichnung schon einmal bekommen hat“, schmunzelt Hildegard Wittig. Außerdem liegt noch im Dunkeln, wer die beiden Frauen für die Auszeichnung vorgeschlagen hat. Ihre „Verdachtsmomente“ haben sie zumindest.

Obwohl der Frauenwerkkreis für beide im Vordergrund steht, empfinden sie schon Stolz auf Grund der Ehrung. Wenn der Ministerpräsident schreibt, ist es eben etwas Besonderes.