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Kommunalwahl Alter Hase trifft auf jungen Hüpfer

Mirja Zipfel

HUDE - Der eine könnte der Großvater sein, der andere sein Enkel. Doch die beiden, die da so freundlich miteinander plaudern, sind keine Verwandten – eher könnte man sie als Rivalen bezeichnen. Beide wollen bei der Kommunalwahl im September in den Rat der Gemeinde einziehen. Paul Konertz heißt der Jüngere. Er ist 19 Jahre alt, angehender Student und erst seit knapp zwei Jahren Mitglied der SPD.

Lutz Gölitzer heißt der Ältere. Er ist 72 Jahre alt, parteilos, war bis ihrer Auflösung Mitglied der LBfH, und hat sich erneut für die Grünen aufstellen lassen. Sollte es am 11. September klappen, dann wäre Konertz der Jüngste und Gölitzer der Älteste Huder Ratsvertreter. Die

NWZ

  hat beide zum Tischgespräch geladen.

„Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen. Wir brauchen dringend junge Gesichter in der Politik“, sagt Lutz Gölitzer, als er Paul Konertz erblickt. Es ist das erste Mal, dass sie sich treffen. Man mag sich, das wird schnell klar. Der Erfahrene nimmt den Neuen unter die Fittiche – Schulterschluss statt Grabenkampf. „Natürlich führen wir hin und wieder in den Sitzungen sehr konträre Diskussionen. Aber hinterher grüßt man sich immer noch auf der Straße“, versucht der 72-Jährige den 19-Jährigen auf das vorzubereiten, was möglicherweise bald auf ihn zukommen könnte. „Wir“ – damit meint er die 32 Ratsmitglieder – „sind eine richtig schöne Gemeinschaft.“

Paul Konertz hört das gerne. Sein Wunsch ist es, Politik aktiv mitzugestalten. Vielleicht sogar als Berufspolitiker. Doch das steht noch in den Sternen. Im Herbst will er erst einmal mit seinem Studium beginnen: „Geschichte und Politik“, erzählt er.

Geradlinig und doch ganz anders hat dagegen Lutz Gölitzer seine „politische Karriere“ in Angriff genommen. Wie Konertz verfügt auch er über ein ausgeprägtes Demokratieverständnis, legt Wert auf freie Meinungsäußerung und lehnt soziale Missstände ab. Gölitzer weiß, wovon er redet. Bis zu seinem 21. Lebensjahr ist er in einem totalitären System aufgewachsen: in der DDR. Öffentlich Kritik zu üben, hat ihm mehrfach Ärger eingebracht. 1958 flüchtete er dann mit seinen Eltern in den Westen, seit 1972 lebt Lutz Gölitzer ununterbrochen in der Klostergemeinde. Nur der thüringische Dialekt verrät noch seine Wurzeln.

Paul Konertz’ Vita liest sich weniger abenteuerlich: Er ist hier geboren und zur Schule gegangen. Weder habe man ihn zum Parteibuch gedrängt, noch sei ein Schlüsselerlebnis ausschlaggebend gewesen. „Ich wollte einfach Mitglied werden“, sagt er selbstbewusst. Die SPD ist es geworden, weil er ihre Werte schätzt: Als Schlagworte nennt Konertz die Arbeitsmarktpolitik, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Und nein, auszusetzen habe er nichts am gegenwärtigen Kurs der Partei auf Bundesebene.

Dass Politikern häufig ein Negativimage anlastet, könne er einerseits nachvollziehen, andererseits ärgere es ihn auch, dass „man ihnen von vornherein keine Chance gibt“, und sie abfällig als Verräter oder Betrüger tituliere. Gegen eines wehrt sich der 19-Jährige aber vehement: „Die Jugendlichen von heute sind alles andere als politikverdrossen.“ In diesem Punkt bekommt er die Zustimmung vom Senior. „Es hat wohl mit der mangelnden Zeit zu tun, dass sich so wenig Junge engagieren.“

Ob Paul Konertz ein Umdenken oder gar einen Wechsel bewirken kann, ist ungewiss. Lutz Gölitzer, der „Rivale“ von den Grünen, wünscht es ihm jedenfalls: „Im Grunde wollen wir uns doch alle für die Belange der Gemeinde stark machen. Das kann nie verkehrt sein.“

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