HUDE - Zweimal nacheinander ertönt ein Hornsignal, wenige Augenblicke später folgt ein dumpfer Knall: Die Detonation wirbelt auf einem Acker zwischen Bahndamm und Hochmoorweg Sand und Erde auf – um 10.15 Uhr ist von der in einer Grube verbuddelten Flak-Granate aus dem Zweiten Weltkrieg nichts mehr übrig. Sprengmeister Gerd Schelberg gibt Entwarnung und lässt sein Horn dreimal erklingen. „Es ist alles planmäßig abgelaufen“, nickt der Experte vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Zentralen Polizeidirektion Hannover.

Zusammen mit seinem Kollegen Johann Hillmer hatte er die am vergangenen Freitag bei Gartenarbeiten auf dem Grundstück der Familie Schnabel an der Langenberger Straße entdeckte Granate für die Sprengung vorbereitet. Gegen 9.15 Uhr wurde das Geschoss per Hand vom Rand des Schnabel-Grundstücks zum Sprengort an der Straße „An der Löpe“ getragen. Dort, wo auf dem Acker noch die Reste eines Osterfeuers zu sehen sind, hebt Baggerführer Herbert Okken vom Bauhof der Gemeinde Hude die zwei Meter tiefe Grube aus. Gerd Schelberg und Johann Hillmer versehen die neun Kilo schwere Granate in der Zwischenzeit mit einem Sprengsatz und deponieren das explosive Paket in der Grube.

Schelberg geht mit äußerster Vorsicht zu Werke. „Die Sprengkapsel ist ziemlich schlagempfindlich“, weiß der Experte. Wegen ihres Zeitzünders sei das Unschädlichmachen der mit 800 bis 900 Gramm Sprengstoff bestückten Granate gefährlicher als die Entschärfung einer Bombe. Erschütterungen könnten den Uhrwerksmechanismus wieder in Gang setzen. Wobei die in dem Geschoss enthaltenen Splitter eine weitaus verheerendere Wirkung entfachen als der Sprengstoff. „Die Flakgeschütze haben die alliierten Flugzeuge in den wenigsten Fällen direkt getroffen. Die Zünder waren so geschaltet, dass die Granate mit ihren Splittern erst in Flughöhe explodierte. Damit ist die Flugabwehr ziemlich erfolgreich gewesen“, berichtet Schelberg.

Solche Granaten entschärfen Schelberg und seine Kollegen jährlich zu Dutzenden. Gleichwohl gebe es nie eine 100-prozentige Sicherheit, dass alles wie gewünscht klappt, räumt Schelberg ein. „Wenn man ruhig und gelassen damit umgeht, hat man aber eine gute Chance“, sagt der mit 20-jähriger Routine ausgestattete Kampfmittelbeseitiger. Auch als eine Erdwand nachgibt und ein Teil der Granate verschüttet wird, behält Schelberg unten in der Grube die Ruhe. Er weist Herbert Okken an, mit der Baggerschaufel so behutsam wie möglich Sand in die Grube zu füllen.

Bevor die Sprengung per Fernzündung ausgelöst wird, sorgen Beamte der Huder Polizei dafür, dass sich in einem Radius von rund 400 Metern niemand aufhält. Nach der Detonation lassen die Männer vom Kampfmittelräumdienst die Sprengstelle noch einmal vorsichtshalber ausbaggern – von der Granate ist nichts mehr zu sehen.

NWZ TVzeigt einen Beitrag über die Granaten-Sprengung unter

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