Hude - Die Parkstraße im Huder Ortszentrum vielleicht sogar zur Fußgängerzone zu machen, wäre für Verkehrsplaner Heinz Mazur (PGT) der absolut falsche Weg. Das betonte er beim Verkehrsworkshop, als im Zuge der Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) Anlieger, Nutzer, Verwaltung und Politiker ausgiebig das Miteinander von Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern diskutierten. Es gibt sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie das auch aus Sicht des Verkehrsplaners vorhandene „Konfliktpotenzial“ vermindert werden kann.
Fläche reicht nicht
Schon seinerzeit, beim Neubau der Parkstraße, sei deutlich geworden, dass die Fläche, die für den gemeinsamen Geh- und Radweg zur Verfügung stehe, nicht ausreiche, so Mazur.
Umgehung illusorisch
Die Chance, eine Umgehungsstraße zu bekommen, sei illusorisch. Die Landesstraße sei unstrittig in ihrer Verbindungsfunktion. Sie sei mit 10 000 Fahrten in 24 Stunden aber wiederum auch nicht so hoch in ihrer Bedeutung. Und Mazur machte deutlich, dass die Attraktivität der Ortsmitte mit ihren Geschäften eben auch für wesentliche Teile des Verkehrs verantwortlich sei, der hier fließe.
Hoher Binnenverkehr
Der von vielen als bedrohlich empfundene Schwerverkehr mache zudem nur vier Prozent aus, erklärte Mazur. Die Wahrnehmung in den Spitzenzeiten bestimme jedoch die Diskussion. Insgesamt sei von zehn Prozent Durchgangsverkehr auszugehen, 48 Prozent entfielen hingegen auf den Ziel- und Quellverkehr im Ort (Liefern und Abholen z. B.), weitere 42 Prozent auf den Binnenverkehr (Einkaufen, Kinder zur Schule und zum Sport bringen usw.).
Tempo 30
Tempo 30 zumindest für Teile der Parkstraße durchzukriegen, wird als schwierig angesehen. Die freiwillige Nutzung der Straße durch Radfahrer zu gestatten, was ja derzeit diskutiert wird, fordert laut Mazur erhebliches Selbstbewusstsein von den Radfahrern, die das tun. Mehr als ein Jahr werde es dauern, bis sich Autofahrer und Radfahrer an diese neue Situation gewöhnten. Dazu müssten zum Beispiel Piktogramme auf die Fahrbahnen gemalt werden: „Farbe macht sicher.“
Radfahrer auf Straße
Die Radfahrer auf die Fahrbahn zu holen ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Das würde mehr Platz auf dem Bürgersteig schaffen, gerade auch für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und auf Hilfsmittel angewiesen sind. Die Rollatoren-Zahl habe in den vergangenen 15 Jahren immens zugenommen, so Mazur. Insgesamt sei es wichtig, für ein durchgängig barrierefreies Wegenetz innerorts zu sorgen.
Barrierefreiheit bedeute zum Beispiel auch, dass es immer mal wieder Sitzgelegenheiten zum Ausruhen gebe. Das sei in der Parkstraße bislang nicht der Fall. Schön wäre auch mehr Platz für Gastronomie. Es müsse gelingen, den Boulevard-Charakter der Parkstraße herauszuarbeiten, vielleicht die Parkstreifen anders zu gestalten, meinte Mazur.
Nur mit Autoverkehr
Das alles müsse mit dem Autoverkehr gehen. Zur geplanten Verlängerung der Dr. Gustav-Thye-Straße als innerörtliche Spange – von Lidl, an der Bahn entlang bis zum Bahnhofsvorplatz – sagte der Planer: „Das ist kein falsches Projekt“.
Die Planer unter Federführung des Büros NWP werden jetzt den Bereich Verkehr in das ISEK-Konzept einarbeiten. Ob sie eine geniale Lösung finden?
Die Ratsgremien werden sich dann mit dem Gesamtpaket ISEK beschäftigen. Im April soll es eine Bürgerversammlung geben. Noch vor der Sommerpause soll der Ratsbeschluss erfolgen können.
