HUDE - Ausgerechnet jetzt: Kaum steht Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff vor Sarah Walter, Lisa Tschörtner Franziska Dinske und Lena Gorath, versagt das Aufnahmegerät der Huder Nachwuchsredakteurinnen. Die Zehntklässlerinnen der Peter-Ustinov-Schule wollen Wulff für die Schüler-Onlineredaktion des Medienprogramms „n-21“ interviewen. Bis die Technik wieder funktioniert, überbrückt der Ministerpräsident die Zwangspause: Das sei typisch für Journalisten, scherzt Wulff. Der 48-Jährige nimmt sich für die von Lehrerin Annika Wenke begleiteten Realschülerinnen aus Hude viel Zeit. Hude? „Der Ort hat eine eigene Autobahnabfahrt“, weiß Wulff. Nach Small-Talk und einigen Anekdoten fühlen die Schülerinnen dem Ministerpräsidenten auf den Zahn: Was für ihn wichtig wäre, wenn eine Fee ihm drei Wünsche gewähren würde, fragt Lisa Tschörtner. Für Wulff haben Frieden, die Aufrechterhaltung der Demokratie und Schaffung von Arbeitsplätzen Priorität. „Können Sie uns Ihren

Frieden genauer definieren“, hakt Franziska Dinske nach. „Frieden ist für mich nicht nur das Ruhen von Waffen, sondern bedeutet, miteinander statt nebeneinander zu leben“, antwortet der Ministerpräsident.

Von einem Miteinander ist im Plenarsaal in den Debatten, über die die Schülerinnen in ihren Artikeln berichten, nicht viel zu spüren. „Da geht’s manchmal zu wie im Kindergarten“, urteilt Lena Gorath. So stellt die SPD-Fraktion, als sie sich von CDU und FDP ausgebremst fühlt, aus Protest einen Zwerg mit zugeklebtem Mund auf. „Es wird viel Show betrieben“, kritisiert Sarah Walter. Einige Abgeordnete seien in ihrem Verhalten nicht unbedingt ein „Vorbild für Schüler“.

Vorbildlich hingegen ist der Einsatz von Parlamentsneuling Ansgar Focke als „Pate“ der Huderinnen. Der hiesige CDU-Abgeordnete gewährt seinen Gästen nicht nur Einblick in sein Trendsport-Hobby, das Laufen mit „Siebenmeilenstiefeln“, sondern vermittelt ihnen hochkarätige Gesprächspartner: Neben dem Ministerpräsidenten steht auch die neue Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann Rede und Antwort. Gerade bei bildungspolitischen Themen wie dem Turbo-Abi habe man „sich oft auf die Zunge beißen“ müssen, gesteht Lena Gorath angesichts von Redebeiträgen, die aus ihrer Sicht nicht von Realitätsnähe geprägt waren.

Nichtsdestotrotz ist der dreitägige Aufenthalt im Landtag eine „tolle Erfahrung“, betont Franziska Dinske, die sich mit ihren Mitstreiterinnen bei „n-21“ für die Möglichkeit bedankt, ganz „nah dran“ gewesen zu sein und journalistische Arbeit kennen gelernt zu haben. Der gingen die Huderinnen mit Feuereifer nach: Als die Parlamentarier sich längst ins Wochenende verabschiedet hatten, brannte in ihrem Redaktionsbüro noch Licht.

Ansgar Focke sehen die Huderinnen bald wieder: Er will die Peter-Ustinov-Schule am 6. Mai besuchen – und zwar in Siebenmeilenstiefeln. Das hat er den Redakteurinnen zumindestens versprochen...

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