HUDE - Besonders in Kneipen wird ein generelles Rauchverbot nicht gern gesehen. Ein Gastwirt will sich juristisch dagegen zur Wehr setzen.
Von Christian Schwarz
HUDE - Schönwetter und dunkle Rauchwolken in Niedersachsen: Die Sonne strahlt den Menschen aufs Haupt, und in Hannover rauchen die Köpfe – das Nichtraucherschutzgesetz soll geändert werden, sagt Ministerpräsident Christian Wulff. In allen öffentlichen Gebäuden und Gaststätten sollen Glimmstängel ab sofort nichts mehr zu suchen haben. Nur noch in abgetrennten Räumen sollen Raucher ihrem Laster frönen können.Klarer Fall von Sonnenstich, mag der Huder Gastwirt Peter Burgdorf denken, er hält von den Plänen gar nichts. „Eine Bevormundung durch die Politik ist völlig unnötig. Es hat doch alles sehr gut geklappt“, sagt er. In seinem Gasthof an der Hohen Straße seien 50 Prozent für Raucher und für Nichtraucher ausgewiesen. „Die Gäste können bei mir aussuchen, ob sie am Tisch rauchen möchten.“
Ganz so vorbildlich wie der Huder Gastwirt haben einige seiner Kollegen den Nichtraucherschutz nicht umgesetzt. Die freiwillige Selbstverpflichtung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), in 60 Prozent aller Gaststätten bis zum 1. März 2007 40 Prozent Nichtraucherplätze anzubieten, ist nicht annähernd eingehalten worden. Burgdorf gibt auch dem Dachverband die Schuld daran: „Von der DEHOGA kam zu wenig, die hätten mehr tun müssen.“ Jetzt befürchtet Burgdorf Umsatzeinbußen und ein Erstarken der „Schwarzgastronomie“.
Sein Sohn Jens, der die Klosterschänke bewirtschaftet, sähe einem Verbot gelassener entgegen. „Klassische Kneipen würden Probleme bekommen. Bei mir sind aber viele Familien zu Gast, da wird ohnehin nicht viel geraucht.“ Auswirkungen hat der Nichtraucherschutz aber auch bei ihm. Der zweiwöchentliche Zigarren-Abend ist zunächst auf Eis gelegt worden. Stattdessen gibt es einen Whiskey-Abend.
Im Wüstenlander Hof in Wüsting stößt der Vorstoß aus Hannover auf wenig Gegenliebe. Betreiberin Maren Brüers hat in ihrer Gaststätte zur Zeit ein Drittel der Plätze für Raucher reserviert. Auch sie hätte also die DEHOGA-Selbstverpflichtung erfüllt. Das Gesetz könnte ihr einen Strich durch die Rechnung machen. „Ich traue dem ganzen aber noch nicht“, sagt sie, „vielleicht ändern die den Entwurf ja nochmal.“
Überhaupt keinen Spaß bei dem Thema versteht Dieter Wicht vom Altmoorhauser Krug. „Ich bin mit dem Gesetz so nicht einverstanden. Die Regierung soll mir das Rauchen nicht verbieten dürfen, das ist ein Eingriff in meine Privatsphäre“, zeigt sich der Gastwirt erbost. „Sollte das Gesetz durchkommen, werde ich dagegen klagen – sonst wandere ich aus!“
