HUDE - Sponsoren, Bekannte, Schaulustige. Jeder will Mike Kunz und Tammo Meyer am Freitag auf dem Huder Rathausplatz noch einmal die Hand schütteln. Von der Familie gibt es Umarmungen. Einige Tränen fließen. Mehrere Kameras sind auf die beiden Abenteurer gerichtet.
Seit Monaten haben sie ihre vierwöchige Reise nach Banjul im afrikanischen Gambia geplant (dieNWZ
berichtete). Jetzt geht es los. Für die Männer ist es ein Trip ins Ungewisse.Bis nachts gearbeitet
Nervosität? Noch verspürt sie Mike Kunz nicht. „Das kommt aber gleich“, vermutet der 40-Jährige. Und wirkt ein wenig geschafft. Bis in die Nacht seien sie noch mit dem Einräumen des Mercedes beschäftigt gewesen. Hätten noch einmal Öl, Wasser, Luft überprüft. „Das ist schon Stress“, meint Kunz.
Mit ihrem 4,6-Tonner, den sie liebevoll „Gelber Engel“ nennen, wollen sie über 7500 Kilometer zurücklegen. Für den guten Zweck. Das erworbene Geld für die Werbeflächen auf ihrem Mercedes soll später mehreren Hilfsprojekten zugute kommen. Auch ihr Fahrzeug wollen Kunz und Meyer am Ende in Banjul versteigern.
Rollstühle, Blutdruckmessgeräte, Medikamente, T-Shirts, Zeichenblöcke. Die Liste der Gegenstände, die Tammo Meyer aufzählt, ist lang. Alles soll in Afrika an bedürftige Menschen verteilt werden. Meyer spricht von 1,8 Tonnen an Hilfsgütern – eine schwere Last.
„Kaffee und vernünftige Straßen.“ Das sind die beiden Dinge, die Mike Kunz an Deutschland vermissen wird. Meint er zumindest. Denn was ihn in Afrika in den kommenden vier Wochen tatsächlich erwartet, kann er nicht abschätzen. Er bekennt: „Wir sind nicht darauf vorbereitet.“ Auch die genaue Route stehe noch nicht fest. In Europa soll es zunächst über Paris und Madrid gehen, in Afrika rechne er jedoch mit Planänderungen.
Auch Weggefährte Tammo Meyer hat eher vage Vorstellungen von der weiten Reise. „Ich erwarte Hitze und große Hilfsbedürftigkeit“, schildert der 47-Jährige. „Alles andere wird sich zeigen.“
Theorie ist vorbei
„Das Theoretische ist vorbei. Jetzt wird nicht mehr geredet, sondern gehandelt“, sagt Bürgermeister Axel Jahnz während der Verabschiedung. Er wünscht den beiden Glück, und mahnt zugleich: „Das ist ein Stück weit Abenteuer. Aber es darf nicht abenteuerlich werden.“ Schließlich hätten beide eine Familie.
Es folgen noch ein paar Fotos vor der Abreise. Kunz und Meyer betreten mit ihren Füßen die Fahrerkabine, richten ihre Körper zwischen Sitz und geöffneter Tür auf. Beide winken. „Meine Haare liegen nicht“, scherzt Kunz zu einem Fotografen, der die Kamera auf seine kurzrasierte Frisur gerichtet hat.
Ein letztes Hupen, schnell verschließt ein aufmerksamer Zuschauer noch die Hintertür. Dann kommt der „Gelbe Engel“ ins Rollen.
