HUDE - „In diesem Zimmer bin ich zur Welt gekommen“, erzählt Manfred Mönning in der großen Stube des Hauses an der Parkstraße 56. Sein Leben lang hat er in diesem Gebäude gewohnt. Seit 1912 ist es schon im Besitz der Familie Mönning.

Manfred Mönnings Leben ist eng mit dem weißen Haus in der Parkstraße verbunden. 1940 erblickte er dort bei einer Hausgeburt das Licht der Welt. Auch seine Taufe im selben Jahr findet dort in der Stube statt. Im selben Zimmer gibt er 25 Jahre später seiner Frau Lisa das Ja-Wort. Noch heute ist der große Raum deshalb Mönning der liebste.

Eine hohe Doppeltür, die den Raum in zwei Hälften teilt, verleiht dem Zimmer seinen besonderen Charme. Doch nicht immer waren die Zimmer so hell und freundlich. „Unmöglich war das hier früher“, erinnert sich der Rentner. „Die Zimmer waren alle in dunkelbraun und blau gestrichen.“ Mittlerweile haben Manfred Mönning und seine Frau jedem Winkel des Hauses ihren Stempel aufgedrückt. Immer wieder wurde modernisiert und umgebaut. Zur Sonnenseite entstand ein Wintergarten. Die Vergangenheit hält das Ehepaar trotzdem in Ehren: Alte Möbel aus Familienbesitz gehören zum festen Inventar des Hauses.

Erbaut wurde das Geschäftshaus 1906 als schlichter Kubus mit flachem Walmdach von Maurermeister Würdemann aus Hude. Zunächst wohnte das Ehepaar Segelken in dem Gebäude. Nach mehreren Besitzerwechseln innerhalb kurzer Zeit gelangte das Geschäftshaus in den Besitz des Kolonialwarenhändlers Johann Mönning. Der Geschäftsmann vergrößerte die Ladenräume. „Für meine Großmutter war das ihr Wunschhaus“, erinnert sich Manfred Mönning.

20 Jahre lang, von 1912 bis 1932, war in dem Gebäude die Polizei ansässig. Den Gendarmen stand mit ihren Familien eine Wohnung zur Verfügung. Im Zweiten Weltkrieg zersprangen bei der Sprengung der Eisenbahnunterführungen dann sämtliche Fenster des Hauses. Da Glas damals Mangelware war, wurden die Fensterscheiben mit allem ersetzt, was zu bekommen war.

Die größte Veränderung erfuhr das Haus aber 1953. Bei der Neugestaltung der Erdgeschossfassade ging durch einen Messfehler die streng symmetrische Fassadengliederung verloren. Von 1912 bis 1977 war die Parkstraße 56 für die Familie Mönning nicht nur ihr Wohn-, sondern auch ihr Arbeitsplatz. Dort war der Sitz von Johann Mönnings Kolonial- und Feinkostwarengeschäft. 1930 trat Manfred Mönnings Vater Heinz in das Familiengeschäft ein. 33 Jahre später folgte Enkel Manfred.

Zeitweise lebten und arbeiteten vier Generation der Familie in dem Haus. Manfred Mönning erinnert sich gern an diese Zeit. Viele Huder kauften im Familiengeschäft. Für Manfred Mönning und seine Schwester bekamen deshalb oft von ihren Eltern zu hören: „Benehmt euch anständig, uns kennen alle.“ Den Laden gab die Familie 1977 auf. In den Geschäftsräumen wurde ein Blumenladen eröffnet. Nachdem ein Treppenstudio in den Räumlichkeiten eingerichtet worden war, ist seit 2004 mit der „Blumenwerkstatt“ wieder ein Blumenladen in den Geschäftsräumen.

Manfred Mönning liebt das Haus in der Parkstraße und seine Geschichte – die gleichzeitig auch die seiner Familie ist. Das Gebäude soll deshalb immer Mönning-Sitz bleiben.

Diese Serie stellt markante Häuser in der Gemeinde Hude und ihre Geschichte vor.