HUDE - Das CDU-Ergebnis hat die meisten Bürger überrascht. Bei einer Großen Koalition wird Merkel als Kanzlerin gesehen.
Von Christian Bartsch
HUDE - Ein bisschen ist es wie im Fußball: Vor der Wahl ist nach der Wahl. Denn schließlich ist auch nach dem Urnengang nicht klar, wer demnächst Deutschland regieren wird. Die NWZ hat Huder Bürger nach ihrer Meinung zum großen Unentschieden, möglichen Koalitionen und Kanzlern befragt:„Ich habe mir schon gedacht, dass das auf eine Große Koalition unter Merkel hinausläuft“, sagt zum Beispiel Kerstin Seifert (21), „eigentlich ist es aber auch ganz egal, wer es macht“, lautet ihr Fazit, „Arbeitsplätze kann niemand herbeizaubern.“
„Das wird schwierig, aus dem Ergebnis eine Koalition zu basteln“, schätzt Anne Kontek (29) die Situation ein. Die Mutter von zwei Kindern hatte auf eine Bestätigung von Rot-Grün gehofft, hält eine Große Koalition für wahrscheinlich und könnte sich jedoch auch ein anderes Modell vorstellen: „Die Ampel mit der FDP fände ich interessant, so eine Konstellation habe ich noch nicht erlebt.“
Wolfgang Martens (52) haben die Ergebnisse des Wahlabends ziemlich überrascht: „Ich war schon erstaunt, dass Schwarz-Gelb die Mehrheit mit so großem Abstand verpasst hat.“ Das Unentschieden der beiden politischen Lager wertet er als „schwierigen Auftrag an alle Parteien, nicht nur an Angela Merkel“. Mit Ausnahme der Linkspartei, die ja eine Regierungsbeteiligung ohnehin ausgeschlossen habe, müssten jetzt alle Parteien miteinander sprechen und koalitionsbereit sein. Wichtig seien die Interessen des Landes, nicht die der Parteien. „Ich halte in solchen Gesprächen alles für möglich“, urteilt Marten.
Auch Hans Kämper (55) war vom Abschneiden der CDU überrascht: „Ich freue mich, dass die massive Medienunterstützung durch die Bild-Zeitung für Schwarz-Gelb nichts gebracht hat.“ Ärgerlich findet Kämper die Verweigerungshaltung der FDP. „Ich finde, jeder muss bereit sein, zu regieren – eine klassische Ampel wäre jetzt angebracht.“
„Gerhard Schröder hat sich in der Elefantenrunde daneben benommen, das war nicht staatsmännisch“, lautet die Einschätzung von Wolfgang (57) und Ilona (47) Dembrowski. Gegen eine Ampel-Koalition hätte auch das Ehepaar nichts, da eine Große Koalition für sie die „schlechteste Lösung“ ist. „Da gibt es doch sowieso nur Kleinkriege und keine vernünftigen Lösungen.“
„Merkel und Schröder haben beide verloren und sich trotzdem als Sieger bezeichnet, das fand ich unehrlich“, ärgert sich Gerold Sanders (46). Seiner Meinung nach hat die Wahl nichts gebracht, „man hätte noch ein Jahr weiter machen sollen“. Für ihn ist eine Große Koalition geführt von einer Kanzlerin Angela Merkel am wahrscheinlichsten.
