Hurrel - „Plattdüütsch snacken schafft Vertrauen“, betonte Ortslandvolkvorstand Wilfried Wieting in seiner Begrüßung. Vermutlich lag es aber nicht nur daran, sondern auch an den Botschaften, die alle Beteiligten am plattdeutschen Frühschoppen in der Gaststätte Mehrings in Hurrel zu bieten hatten.

Die größte Aufmerksamkeit der etwa 30 Zuhörer galt einem noch nicht so bekannten Mann in der Region: Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) war der Einladung des Ortslandvolks dank der guten Kontakte des Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley gerne gefolgt. Der Minister versprach die 80 Millionen Euro Steuermehreinnahmen („Die Konjunktur läuft gut“) in wichtige Projekte zu stecken. Bessere Versorgung der Schulen mit Lehrern, Beitragsfreiheit der Kindergärten und auch der ländliche Wegebau wurden von Hilbers ebenfalls als Positivbeispiele genannt. Die SPD/CDU-Landesregierung werde das bislang bestehende Förderverhältnis von 60 Prozent für den Öffentlichen Personennahverkehr zu 40 Prozent für den Straßenausbau auf glatte 50 zu 50 ändern, so der ein Emsländer Platt sprechende Minister. Verständnisschwierigkeiten gab’s deswegen keine.

Ziel sei es ferner, Niedersachsens Stärken zu fördern. Eine „Riesenchance für den ländlichen Raum“ sei da die Digitalisierung. Die rücke die Dörfer näher an die Zentren heran. Hilbers versprach, bei Mobilfunk, Glasfaserausbau und Internetanbindung werde es keine weißen Flecken geben. Der Finanzminister zeigte sich überzeugt, das Land werde mit den Kommunen in der Frage einer Finanzierung der kostenfreien Kitaplätze einen „fairen Kompromiss“ erzielen. Gleichzeitig kündigte er eine nachhaltige Finanzpolitik und einen Schuldenabbau an.

Landtagsabgeordneter Karl-Heinz Bley zeigte sich überzeugt, dass sich für Landwirte in der jetzigen Legislaturperiode einiges bessern wird. Die teilweise zu strengen Auflagen für Landwirte seien nicht machbar und hätten zu Wettbewerbsverzerrungen gesorgt. Bley verteidigte das Abschaffen der sogenannten Weideprämie durch die neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, „weil die von ihrem Vorgänger gar nicht gegenfinanziert worden war“. Ein Problem bleibe die Gülleentsorgung (59,3 Millionen Tonnen). Die Ausbringung auf die Äcker müsse eingedämmt werden, betonte der Landtagsabgeordnete. Bley kündigte außerdem an, die Landesregierung wolle die Rechte der Opposition insofern stärken, dass künftig auch Grüne und FDP ohne die AfD berechtigt seien, Untersuchungsausschüsse einzusetzen.

Laut Bundestagsabgeordneter Astrid Grotelüschen kommen im Bundestag nur 124 der 709 Abgeordneten aus einer ländlichen Region. Unter repräsentativen Gesichtspunkten müssten es doppelt so viele sein. „Manche Probleme werden so einfach gar nicht gesehen“, befürchtet sie. Hudes stellvertretender Bürgermeister Dirk Vorlauf hatte zur Begrüßung die Meinung vertreten, mit Plattdeutsch sei eine bestimmte Lebensart verbunden. „Dat is use Heimaad un Levenskultur.“