Im Norden - Nach einer guten Saison 2019 sprechen die Experten bislang von einem durchschnittlichen Jahr bei der Pilzernte. Sollte es im Herbst nun verstärkt regnen, könnte sich das ändern – und damit auch das Risiko von Vergiftungen steigen. Denn das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen warnt Pilzsucher in Norddeutschland davor, sich in den nächsten Wochen mit Knollenblätterpilzen zu vergiften. Zwar sei der Ertrag der Saison bisher eher mittelmäßig, im September und Oktober könne mit verstärkten Niederschlägen das Wachstum aber noch einmal richtig anziehen. „Wenn viele Pilze wachsen, haben wir auch viele Vergiftungen“, sagte der Co-Leiter des Giftinformationszentrums, Andreas Schaper, der Nachrichten-Agentur DPA.
Vergiftungen steigen
Die Zahl der Vergiftungen sei im vergangenen Oktober mit mehr als 400 Fällen durch die Decke geschossen. In diesem Juli wurden bisher knapp unter 100 Vergiftungen gemeldet, im August unter 50. „Das ist trotzdem viel, im Juli drei am Tag“, sagte Schaper.
Das Giftinformationszentrums in Göttingen ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, es wurde 1995 gegründet und ist an der Universitätsmedizin Göttingen angesiedelt.
Hauptaufgabe ist die Beratung von Laien bei akuten Vergiftungsfällen. Viele Sammler rufen an, wenn sie Beschwerden nach dem Verzehr bekommen – auch Eltern, die sich Sorgen machten, wenn Kinder Pilze mit nach Hause gebracht haben, erzählte Schaper.
Schwere Leberschäden
„Wir warnen vor Pilzen mit Amatoxin“, betonte er und verwies vor allem auf den Grünen Knollenblätterpilz. Der Verzehr könne zu schweren Leberschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Verwechslungsgefahr bestehe besonders mit dem Riesenchampignon.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sehen Knollenblätterpilze auch genießbaren Speisepilzen aus anderen Regionen der Welt zum Verwechseln ähnlich. In den vergangenen Jahren hatte es in Norddeutschland wiederholt Todesfälle nach dem Verzehr von Knollenblätterpilzen gegeben, weil Zuwanderer die Pilze verwechselt hatten. Bei Verdacht auf Vergiftung mit Knollenblätterpilzen müssten Betroffene sofort ins Krankenhaus gebracht werden, um ein Gegengift zu erhalten.
