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NWZonline.de Nachrichten Politik

Bundesweit immer weniger Kliniken

09.02.2018

Im Nordwesten /Berlin Wegen der ständig sinkenden Zahl der Krankenhäuser in Deutschland fordert die Linke im Bundestag einen Kurswechsel auf dem Kliniksektor. Die Zahl der Krankenhäuser sank innerhalb von 20 Jahren um 318 auf nur noch 1951 im Jahr 2016. Die Zahl der Krankenhausbetten nahm in diesem Zeitraum um 95 025 auf 498 718 im Jahr 2016 ab. Das geht aus der aktuellen Gesundheitsberichterstattung des Bundes hervor.

Auch im Nordwesten gibt es weniger Kliniken. So kämpft zurzeit etwa Delmenhorst um die Zukunft des Josef-Hospitals. Die Stadt hat sich Anfang Februar überraschend dafür entschieden, das insolvente Haus nun doch zu übernehmen. Bereits im Jahr 2014 entstand das Klinikum Wilhelmshaven aus der Zusammenlegung des städtischen Reinhard-Nieter-Krankenhauses und des katholischen St.-Willehad-Hospitals.

Ein Bürgerentscheid in Emden und dem Kreis Aurich im Sommer 2017 fiel hingegen gegen den Bau einer gemeinsamen Zentralklinik für Ostfriesland aus. Damit bleiben die Kliniken in Emden, Aurich und Norden bestehen. Auch in der Wesermarsch gab es Bestrebungen für eine Zentralklinik. Das St.-Bernhard-Hospital in Brake und das Krankenhaus in Nordenham sollten fusionieren. Die Verhandlungen scheiterten aber 2014. Daraufhin baute der Helios-Konzern im Nordenhamer Stadtteil Esenshamm eine ganz neue 115-Betten-Klinik und schloss das alte Klinikgebäude. Der Klinikbetrieb im Neubau startete im Mai 2017. Der Konkurrenzkampf mit dem Braker Hospital verschärft sich seither.

Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann sagte: „Krankenhausschließungen gefährden die medizinische Versorgung in der Fläche, gerade in ländlichen Regionen.“ Lange Wege könnten im Notfall sogar lebensbedrohlich sein. Sie fordert eine bedarfsorientierte, demokratische Krankenhausplanung unter Beteiligung der Patienten.

Andere Beobachter kommen zu anderen Bewertungen. So stellte das Forschungsinstitut RWI bei der Vorstellung seines Krankenhaus Rating Reports 2017 fest, es gebe zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung. Weil viele Kliniken komplizierte Behandlungen durchführten, auch wenn sie keine breite Erfahrung damit hätten, würden die betroffenen Patienten unnötigen Risiken ausgesetzt, urteilen viele Experten und Krankenkassen.

Derzeit ist eine Reform im Gang. Der Gemeinsame Bundesausschuss macht den Kliniken Vorgaben für einzelne Therapien. Wenn diese nicht eingehalten werden, sollen Abteilungen oder ganze Häuser schließen. Ferner haben sich Union und SPD auf mehr Geld für die Kliniken geeinigt. Die Arbeitsteilung zwischen Zentren für schwere und komplexe Erkrankungen, Kliniken für die Grundversorgung und ambulanten Schwerpunktpraxen soll gestärkt werden.

Horst Lohe
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2206