Im Nordwesten - Die Corona-Krise entwickelt sich für viele Eltern zu einem finanziellen Albtraum. Betroffen sind vor allem berufstätige Eltern mit jüngeren Kindern. Bis sie wieder arbeiten gehen können, könnten noch Monate vergehen. Und trotz geschlossener Kitas werden auch im Nordwesten mancherorts die Elternbeiträge für Krippen und Horte weiter abgebucht.

Seit klar geworden ist, dass es keine schnelle Rückkehr zur Normalität geben kann, erreichen die Landeselternvertretung der Kindertagesstätten viele Nachrichten von Vätern und Müttern, die nicht wissen, wie sie über die nächsten Monate kommen sollen. „Da sind viele verzweifelte Berichte dabei“, sagt Christine Heymann-Splinter, die im Vorstand Expertin für das Thema ist. Besonders schlimm treffe die Krise jene, die trotz Kurzarbeit, Lohnfortzahlung, unbezahltem Urlaub oder sogar coronabedingtem Arbeitsverlust weiterhin die Gebühren für die Krippe oder den Hort aufbringen müssen.

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Stefan Idel Büro Hannover
Hannover

Tatsächlich gleicht der Nordwesten bei der Erstattung der Elternbeiträge einem Flickenteppich. Während sich die Träger in den meisten niedersächsischen Kommunen darauf verständigt haben, die Elternbeiträge für Horte und Krippen für den Zeitraum der Schließung zu erstatten oder erst gar nicht einzuziehen, ziehen nach Angaben der Landeselternvertretung einige ärmere Städte nicht mit.

„Unser Sorgenkind ist Cuxhaven“, sagt Heymann-Splinter. Dort habe es zum einen seit Beginn der Corona-Krise besonders viele Kündigungen gegeben und gleichzeitig weigere sich die Stadt mit Hinweis auf ihre schlechte finanzielle Situation, auf die Einziehung von Elternbeiträgen zu verzichten. Ähnliches gelte für Wilhelmshaven. Auch dort habe die Stadt signalisiert, dass sie zu arm sei, um auf die Elternbeiträge zu verzichten.

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Für die Elternvertreter gibt es in dieser Situation nur eine Lösung: Niedersachsen soll nach dem Beispiel von NRW die Einnahmeverluste der Kommunen übernehmen und so eine flächendeckende Befreiung von den Elternbeiträgen ermöglichen. Darüber hinaus sei es notwendig, für die betroffenen Eltern, die wegen der Kinder jetzt nicht arbeiten gehen können, eine Art Corona-Elterngeld zu zahlen.