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NWZonline.de Nachrichten Politik

Imam fasst Attentäter und beschützt ihn vor Mob

20.06.2017

London Bei einer Attacke mit einem Lieferwagen in London hat ein Mann zehn Mitglieder einer muslimischen Gemeinde verletzt. Der 48-Jährige war in der Nacht zum Montag in eine Menschenmenge in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park gerast. Er wurde später unter dem Verdacht des versuchten Mordes festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Ob ein Mann als Folge des Angriffs umkam, war nach Angaben der Polizei zunächst unklar – er bekam demnach schon vorher Erste Hilfe. Die Polizei behandelt die Tat als Terrorakt, Terrorspezialisten ermitteln.

Die Muslime waren während des Fastenmonats Ramadan nach dem Ende eines Gebets auf der Straße. Sieben Verletzte waren nach Angaben der Gesundheitsbehörde NHS am Nachmittag noch im Krankenhaus. Wie schwer sie verletzt waren, war zunächst nicht bekannt.

Die Tat ereignete sich in der Seven Sisters Road nahe dem Muslim Welfare House. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Finsbury-Park-Moschee, die Anfang der 2000er Jahre wegen des Hasspredigers Abu Hamza al-Masri Schlagzeilen machte. Die Einsatzkräfte hatten nach eigenen Angaben gegen 00.20 Uhr (Ortszeit) die ersten Notrufe erhalten.

Die Behörden gingen davon aus, dass der Tatverdächtige alleine gehandelt habe, sagte Premierministerin Theresa May nach einer Krisensitzung. Sein Motiv war zunächst unklar, Waffen hatte er nach Angaben der Polizei nicht dabei. Er sollte auf seine psychische Gesundheit untersucht werden.

Sicher ist: Der Mann ist weiß. Dem Vorsitzenden der Moschee zufolge soll er nach der Tat gerufen haben: „Ich habe meinen Teil getan.“ Anderen Augenzeugen zufolge rief er: „Ich will Muslime töten.“ Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick kündigte an, zusätzliche Beamte einzusetzen – auch in der Nähe von muslimischen Einrichtungen.

Die Premierministerin verurteilte Extremismus jeder Art. „Hass und Böses dieser Art werden niemals Erfolg haben“, sagte May. Sie verurteilte die Attacke als „widerlich“. Das Land werde sich durch die Tat nicht spalten lassen.

Ein Imam wird unterdessen als Held gefeiert. Mohammed Mahmoud soll sich nach Augenzeugenberichten schützend vor den Terrorverdächtigen gestellt haben, der aus dem Lieferwagen gezerrt worden war. „Fasst ihn nicht an“, habe er demnach Menschen entgegengerufen, die sich wütend auf den Mann gestürzt hatten. Der 48-Jährige war von dem Iman und anderen Umstehenden festgehalten worden. Sie übergaben ihn später der Polizei.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan zollte den Passanten Tribut, die den Angreifer in der Nähe der Moschee überwältigt hatten, ehe der Mann von der Polizei festgenommen werden konnte. Khans Lob galt insbesondere einem Geistlichen, der den Täter vor der Gewalt der Menge geschützt hatte.

Das Gebetshaus verurteilte den Vorfall: „Wir haben über Jahrzehnte sehr hart für eine friedliche und tolerante Gemeinschaft hier in Finsbury Park gearbeitet und verurteilen schärfstens jeden Akt des Hasses, der versucht, unsere wunderbare Gemeinschaft zu spalten“, heißt es in einer Mitteilung, die das Muslim Welfare House im Internet veröffentlichte.

Seit März war Großbritannien dreimal von Terroranschlägen erschüttert worden. In Manchester hatte ein Selbstmord-Attentäter Ende Mai nahe einem Pop-Konzert 22 Menschen getötet. In London töteten Terroristen im März und Anfang Juni insgesamt mindestens 13 Menschen. Die Londoner Polizei hatte nach den jüngsten Anschlägen mehr islamfeindliche Vorfälle registriert als üblich.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan bewertete die Tat als zielgerichtete Attacke: Es handele sich um einen „fürchterlichen Terroranschlag auf unschuldige Menschen“. Manchesters Bürgermeister Andy Burnham schrieb: „Wir werden weiter zusammenstehen gegen Extremisten, die einen Teufelskreis der Gewalt wollen.“ Ex-Premierminister David Cameron nannte die Tat auf Twitter eine „entsetzliche terroristische Attacke auf friedlich betende Muslime“

Bei solchen Vorfällen würden die Werte Londons angegriffen, sagte Khan. London werde eine starke Stadt bleiben, die es „diesen Terroristen“ nicht erlaube, sich durchzusetzen. Hassverbrechen hätten keinen Platz in der britischen Hauptstadt.

Auch außerhalb Großbritanniens löste die Attacke Entsetzen aus. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, es spreche einiges dafür, dass es eine „Tat aus blindem Hass“ sei. Der EU-Chefunterhändler für die Verhandlungen über einen britischen EU-Austritt, Michel Barnier, und der britische Brexitminister David Davis sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Mitgefühl aus.

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