Sandelermöns - Beim Boßel- und Klootschießerverein „Min Jeverland“ Sandelermöns ist man zurzeit nicht gut auf den Stadtrat Jever zu sprechen: Bereits zweimal ist der Verein im Finanzausschuss mit seinem Kaufangebot für das städtische Gelände, auf dem der KBV „Min Jeverland“ sein Vereinshaus stehen hat, abgeblitzt. „Im Ausschuss hieß es: ,Die Stadt hat nichts zu verschenken‘“, sagt Vereinsvorsitzender Wilfried Wolken.
Wie berichtet, hatten sich bei der Jahreshauptversammlung im April die Vereinsmitglieder dafür ausgesprochen, mit der Stadt in Verkaufsverhandlungen über das KBV-Grundstück zu treten. „Ursprünglich hatten wir gedacht, wir bekommen das Gelände für einen symbolischen Euro“, sagt Wolken. Doch das stellte sich als falsche Annahme heraus. Deshalb bietet der Boßelverein „Min Jeverland“ nun den halben Buchwert für das Grundstück.
Kauf per Kredit
Die Stadtverwaltung stehe dem Angebot des Vereins durchaus positiv gegenüber, berichtet Wolken. Auch die SWG unterstütze den Grundstücksverkauf. Dass er bei den übrigen Ratsfraktionen und insbesondere bei der SPD-Fraktion, der er selbst angehört, nun auf Granit beißt, wundert ihn doch.
„Das Argument, wir wollten dort nur bauen, zieht nicht“, meint er: Denn die Planungshoheit liegt ja ohnehin bei der Stadt. Und durch eine vom Boßelverein angebotene Mehrerwerbsklausel hätte die Stadt Jever auch die nötige Sicherheit bei einer Wertsteigerung, falls das Gelände jemals weiterverkauft würde. Ein weiterer Vorteil für die Stadt: Die Instandhaltung würde künftig entfallen.
„Min Jeverland“ hat mittlerweile den Kredit, der zur Unterstützung des Dorfbürgervereins zum Erwerb des ehemaligen Kindergartens Sandelermöns benötigt wurde, abbezahlt. Auch das KBV-Gelände soll per Kredit finanziert werden.
Wolken ärgert sehr, dass eine Mehrheit im Stadtrat gegenüber dem Verein kein Entgegenkommen zeigt – er sieht darin mangelnde Wertschätzung: „Die Stadt habe nichts zu verschenken, heißt es immer dann, wenn der Ortsteil Sandelermöns ins Spiel kommt. Ansonsten hat die Stadt immer ein offenes Ohr und einen offenen Stadtsäckel – zumindest bis Cleverns“, schimpft Wolken.
Als Beispiel nennt er den Kindergartenkauf durch den Dorfbürgerverein: „Schon beim Erwerb des Kindergartengebäudes durch den Dorfbürgerverein wurde der Preis auch und gerade durch örtliche Politiker in die Höhe getrieben. Nur mit einer äußerst knappen Mehrheit wurde dem Verein letztlich das Gebäude zugesprochen – zu einer stattlichen Summe von 70 000 Euro.“
„Ortsteile fördern“
Er verweist auf das Leitbild „Jever 2025“, das auch von den Ratsmitgliedern miterarbeitet wird. Dort heißt es: „Wir möchten die Ortsteile und Außenbereiche weiter fördern und wertschätzen.(...) Wir wollen den Gemeinschaftssinn und die Nachbarschaft in den Ortsteilen erhalten und unterstützen.“
„Na dann auf das Leitbild 2025 – es bleibt alles, wie es ist: Nach Cleverns ist die Stadt zu Ende“, ärgert sich Wolken.
