Falkenburg - „Ich habe einen besonderen Freund“, sagt Inga Gillerke. Er sei mit seiner Familie im letzten Sommer als Flüchtling nach Falkenburg gekommen. Doch innerhalb kürzester Zeit war er nicht mehr ,Dervish, der Flüchtling’, sondern ,Dervish, unser Freund’. Er hat sich sogar ehrenamtlich im Laurentius-Hospiz engagiert. Die Rede ist von Dervish Erkoceviq.
Doch die Familie Gillerke hält derzeit nur noch per Mobiltelefon oder Internet-Telefonie mit dem 18-Jährigen Kontakt. Dervishs Asylverfahren ist abgeschlossen. Weil Albanien als „sicheres Herkunftsland“ gilt, musste er Deutschland wieder verlassen. Die mehr als 40-stündige Reise im Bus nach Shkodra, einer 140 000-Einwohner-Stadt im Norden Albaniens, war mehr als strapaziös. An der ungarischen und der serbischen Grenze wollten die Sicherheitskräfte den Pass einbehalten, berichtet Dervish der NWZ im Gespräch via Skype. „Die dachten, wir haben in Deutschland viel Geld bekommen und wollten uns erpressen.“ Gegen Zahlung eines Obolus’ ließ man die Reisegruppe passieren.
In Shkodra lebt der 18-Jährige gemeinsam mit einem Onkel in einem Haus am Stadtrand. Er hat Arbeit gefunden und kann Waschmaschinen und Kühlschränke reparieren. Sein Lohn: umgerechnet 3,80 Euro für zehn Stunden harter Arbeit pro Tag. Dabei sind die Nahrungsmittel in Albanien genauso teuer wie in Deutschland.
Gleichwohl hat Dervish seinen Optimismus, mit dem er bereits in Falkenburg viele Menschen angesteckt hat, behalten: „Ich habe Glück. Manche meiner Freunde habe keine Arbeit.“ Seine ehrenamtliche Tätigkeit im Laurentius-Hospiz vermisst er: „Das habe ich immer mit ganzem Herzen gemacht.“ Er sei ein Vorbild für andere Flüchtlinge gewesen, meint Gillerke.
In Falkenburg verstehen manche die Welt nicht mehr: „Dervish hat fleißig und unglaublich schnell Deutsch gelernt“, sagt Inga Gillerke. Er habe sich super integriert und sogar vielfältig ehrenamtlich eingebracht. Die Familie Gillerke, viele Freunde und Bekannte formulierten eine Petition, damit Dervish schnell zurückkommen kann. Innerhalb einer guten Woche haben mehr als 700 Menschen unterschrieben. Die Listen sollen demnächst dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie der deutschen Botschaft in Tirana (Albanien) überreicht werden.
„Ich wünsche mir, dass Menschen wie Dervish, die schon in jungen Jahren ein so großes Engagement zeigen, eine Bereicherung für unser Land sein können“, sagt Inga Gillerke, die ebenfalls ehrenamtlich im Hospiz tätig ist. „Und ich wünsche mir, dass Menschen wie Dervish eine Chance gegeben wird, in Deutschland zu arbeiten und sich weiter ehrenamtlich zu engagieren.“ Die Freunde vermissen ihn.
